{"id":28,"date":"2016-07-20T12:42:43","date_gmt":"2016-07-20T10:42:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.timos-blog.de\/?p=28"},"modified":"2020-05-09T18:53:01","modified_gmt":"2020-05-09T16:53:01","slug":"tag-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.timos-blog.de\/index.php\/2016\/07\/20\/tag-3\/","title":{"rendered":"Tag 3"},"content":{"rendered":"<h3>Dienstag 14. November 1916<\/h3>\n<p>Der n\u00e4chste Tag begann ruhig, \u00fcber die Nacht hin, hatte der Sturm an Kraft verloren und der Wellengang normalisierte sich. Allerdings blieben weiterhin, die grauen Wolken am Himmel h\u00e4ngen. Jasmin hatte eine, Ihrer schlimmsten N\u00e4chte hinter sich gebracht, m\u00fcde und schl\u00e4frig, schleppte Sie sich an den Schrank. Pl\u00f6tzlich klopfte es wieder einmal an der T\u00fcr: &gt;&gt;Ich komme!&lt;&lt; ,rief sie aus und musste daraufhin g\u00e4hnen.<br \/>\nVor der T\u00fcr stand Violet mit einer Packung weiterer Tabletten gegen Seekrankheit: &gt;&gt;Guten Morgen! Ich habe Ihnen noch mehr Tabletten vorbei gebracht. Wie geht es Ihnen?&lt;&lt; ,fragte Jessop besorgt nach.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&gt;&gt;Ehrlich gesagt ziemlich be&#8230;scheiden! Nachdem der Eimer fast voll war, habe ich die halbe Nacht vor dem Abort verbracht. Ich muss dabei eingenickt sein, denn heute Morgen bin ich im Badezimmer aufgewacht. Die Tabletten haben dagegen nichts geholfen, so schnell ich Sie hinunter geschluckt habe, genauso schnell waren Sie auch wieder drau\u00dfen.&lt;&lt; ,erz\u00e4hlte Stroud und massierte sich dabei den verspannten Nacken.<br \/>\nDie Oberschwester, konnte sich ein L\u00e4cheln nicht verkneifen: &gt;&gt;Der Sturm war echt heftig, so einen habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Auch ich muss zugegeben, dass mir leicht flau und \u00fcbel war. Ich habe ebenfalls welche von den Tabletten genommen, aber der Wellengang war anscheinend so schwer, dass sie Ihre Wirkung, dabei verloren haben m\u00fcssen.&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Wunderbar! Das f\u00e4llt Ihnen nun wirklich fr\u00fch ein.&lt;&lt; ,meinte Jasmin ver\u00e4rgert.<br \/>\nGemeinsam fr\u00fchst\u00fcckte Jasmin mit Jessop, den Krankenschwestern und einigen \u00c4rzten in einem gro\u00dfen weiteren Saal, der sp\u00e4ter bevor das Schiff nach Mudros einlief, noch in einen weiteren OP-Saal umgestellt werden sollte.<br \/>\nDer Agentin war immer noch sehr flau im Magen und a\u00df nur ein trockenes Br\u00f6tchen, mit einem warmen Fr\u00fcchtetee. Alle andern schlugen sich richtig die M\u00e4gen voll, es gab Wurst- und K\u00e4seplatten, Marmeladen und Obst. Dazu viele verschiedene Brot- und Geb\u00e4cksorten, in allen Gr\u00f6\u00dfen und Formen.<br \/>\nEin deutscher Arzt namens Paul Wagner sa\u00df den beiden Schwestern gegen\u00fcber, die inzwischen schon richtige beste Freundinnen geworden waren. Er erz\u00e4hlte \u00fcber einige schlimme Krankheiten, die auf einem Schiff, oder auf offener See, auftreten konnten. Nat\u00fcrlich war es nicht besonders appetitanregend, ihm zu zuh\u00f6ren. Er war schon etwas \u00e4lter und hatte zu Hause eine wunderbare Familie, mit Frau und zwei Kindern zur\u00fcck gelassen. Die auf Ihren Vater warteten, sowie schreckliche Sehnsucht nach ihm hatten.<br \/>\nViolet sah Jasmin am Tisch an und meinte mit einem weiteren Augenzwinkern: &gt;&gt;Schwester Stroud! Ich habe f\u00fcr Sie heute eine Sonderaufgabe. Kommen Sie bitte nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in das Schwesternzimmer!&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Das werde ich, Frau Oberschwester!&lt;&lt; ,antwortete Jasmin, ebenfalls mit einem Augenzwinkern. Eine junge Krankenschwester, die das Gespr\u00e4ch zuf\u00e4llig mit angeh\u00f6rt hatte, fragte nach: &gt;&gt;Frau Oberschwester? K\u00f6nnte ich vielleicht Schwester Stroud bei ihrer Sonderaufgabe unterst\u00fctzen?&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Nein Schwester Skilling! Das wird nicht notwendig sein. Wir haben hier gen\u00fcgend andere Arbeiten zu erledigen.&lt;&lt; ,erwiderte Jessop.<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck hatte die Agentin gen\u00fcgend Zeit bekommen, um weiter mit Ihren Ermittlungen voranzukommen. Sie setzte sich das Ma\u00df, bis zum heutigen Mittag, neue Ergebnisse \u00fcber den Spion vorliegen zu haben.<\/p>\n<p>Was Stroud und ein Gro\u00dfteil der Besatzung allerdings nicht wusste war, dass sich ein deutsches U-Boot an die Fersen des Schiffes geheftet hatte. Seit die Britannic an der Hafenstadt La Coruna am obersten Ende von Spanien vorbei gefahren war, hing die U-37 bereits an Ihr dran. Sie waren nicht weit entfernt und konnten die vielen \u00dcbertragungen, ohne Probleme, mit gutem Empfang abh\u00f6ren.<br \/>\nDer deutsche Spion hatte das U-Boot im Atlantik, mit eigenem Funktelegrafen kontaktiert und mitgeteilt, dass sich ein gro\u00dfes britisches Hospitalschiff namens Britannic, wahrscheinlich mit Waffen an Bord, im Atlantik unterwegs sei. Bei dem Empfang der Nachricht, als auch den Koordinaten in deutscher Standardcodierung, \u00e4nderte der deutsche Kapit\u00e4n sofort, den Kurs und nahm volle Kraft auf die Britannic auf. Er schrieb in das Logbuch: &gt;&gt;Ein deutscher Agent hat uns kontaktiert. Er braucht Hilfe bei seinem Auftrag. Wir verlassen unsere geplante Route und folgen dem britischen Schiff, wir werden versuchen, den Agenten zu unterst\u00fctzen, so weit es m\u00f6glich ist.&lt;&lt;<br \/>\nDie U-37 war eines der schnellsten U-Boote, die die deutsche Marine zu bieten hatte, 25 Mann verrichteten zurzeit darauf Ihren Dienst und Sie konnte bis zu sieben der Neuesten Torpedos mit eingebautem Gyroskop aufnehmen. Zwei Torpedos mussten jedoch als Reserve f\u00fcr die Heimreise aufgehoben werden, so stand es im Handbuch f\u00fcr U-Boot Kommandanten. Torpedos waren unglaublich schlagkr\u00e4ftige Waffen und daher wurde f\u00fcr ein Ziel, nur ein Unterwassergeschoss verwendet, sofern sie funktionierten. Es passierte n\u00e4mlich sehr h\u00e4ufig, dass die Geschosse Fehlfunktionen aufwiesen, oder sobald Sie das Rohr verlassen hatten, zu Blindg\u00e4ngern wurden. Manchmal machte ein Torpedo, einfach auf halber Strecke kehrt, formte Kreise im Tiefengew\u00e4sser und schoss nur um Haaresbreite, am eigenen U-Boot vorbei.<br \/>\nMit diesen Schwierigkeiten hatte jeder Kommandant zu k\u00e4mpfen, hinzu kam die N\u00e4sse, enge Korridore, Hitze, und Gestank von Diesel und \u00d6l.<\/p>\n<p>Wie Oberschwester Jessop gestern Morgen, wurden nun auch die beiden Offiziere Robert Hume und William Laws von Stroud vernommen. Geschockt von der gro\u00dfen Menge an Fragen, fragte Hume neugierig: &gt;&gt;Warum durchl\u00f6chern Sie uns mit derartig, vielen Fragen? Muss das unbedingt sein? Wir sind Offiziere und haben wirklich wenig Zeit f\u00fcr so einen Mist!&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Pardon! Aber wenn ich Ihnen vertrauen soll, muss ich einiges \u00fcber Sie in Erfahrung bringen. Wenn Sie sich noch ein wenig Gedulden w\u00fcrden, dann sind wir sofort fertig.&lt;&lt; ,antwortete die Agentin.<br \/>\n&gt;&gt;Woher wollen Sie wissen, ob wir die Wahrheit sprechen? Wir k\u00f6nnten Sie auch, ebenso gut bel\u00fcgen.&lt;&lt; ,fragte nun Laws.<br \/>\n&gt;&gt;Ich werde ihre Daten nat\u00fcrlich an den MI6 weiterleiten, die Sie dann gewissenhaft \u00fcberpr\u00fcfen und mir wieder\u00a0zur\u00fcck schicken werden.&lt;&lt; ,sagte Sie.<br \/>\n&gt;&gt;Wurde der Captain schon \u00fcberpr\u00fcft?&lt;&lt; ,wollte Robert wissen.<br \/>\n&gt;&gt;Nat\u00fcrlich! Gl\u00fccklicherweise hatte ich diese Informationen, bereits vor der Abfahrt. Ich versichere Ihnen, ich werde niemanden vergessen. Aber nun sind erst mal Sie noch an der Reihe. K\u00f6nnen wir jetzt weitermachen?&lt;&lt; ,fragte Jasmin ver\u00e4rgert nach.<br \/>\nBeide Offiziere nickten verst\u00e4ndnisvoll und beantworteten alle Fragen so gut Sie konnten. Stroud schrieb sich alles wieder, in Ihrem Block auf und kam zum erneuten Male, auf den Gedanken, dass der Spion vielleicht, einer von der Besatzung, oder den unteren Offizieren sein k\u00f6nnte.<br \/>\nAm sp\u00e4ten Nachmittag klarte das Wetter auf und die ersten warmen Sonnenstrahlen brachen durch die Wolkendecke. Das Meer glitzerte durch die Strahlen, als w\u00e4re es d\u00fcnnes Silberpapier. Jasmin war zur\u00fcck bei den Krankenschwestern, die sich bereits auf das D-Deck vorgearbeitet hatten. Die meisten Betten waren \u00fcberzogen und der Raum gut durchgel\u00fcftet. &gt;&gt;Freuen Sie sich schon auf heute Abend?&lt;&lt; ,kam Ihr Violet entgegen. &gt;&gt;Was meinen Sie?&lt;&lt; ,fragte Stroud entsetzt nach.<br \/>\n&gt;&gt;Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Das Dinner des Captains ist Heute, Sie wurden eingeladen.&lt;&lt; ,erwiderte Jessop, doch Jasmin zuckte nur mit den Schultern.<br \/>\n&gt;&gt;Sagen Sie jetzt bitte nicht, man hat Sie vergessen zu informieren. Wie konnte das nur passieren?&lt;&lt; ,klang die Oberschwester ver\u00e4rgert. &gt;&gt;Wahrscheinlich schon, denn leider wei\u00df ich von nichts.&lt;&lt; ,entgegnete die Agentin.<br \/>\n&gt;&gt;Nun wissen Sie Bescheid. Ich hoffe, Sie haben etwas Passendes dabei?&lt;&lt; ,fragte Sie.<br \/>\n&gt;&gt;Allerdings! Ich habe mir vor etlichen Jahren ein Kleid in Paris gekauft und hoffe das es noch passt.&lt;&lt; ,erwiderte Jasmin leicht aufgeregt.<\/p>\n<p>&gt;&gt;Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Ich habe zwei sehr sch\u00f6ne Kleider dabei, aber ich kann mich noch f\u00fcr keines so richtig entscheiden.&lt;&lt; ,sagte Violet.<br \/>\n&gt;&gt;Ich w\u00fcrde nicht zu sehr auf das Aussehen bedacht sein.&lt;&lt; ,antwortete Stroud und fuhr fort: &gt;&gt;Suchen Sie sich das heraus, indem Sie sich am wohlsten f\u00fchlen. Das mache ich schon seit Jahren so und war bis jetzt noch nie daneben gelegen.&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Ein echt guter Tipp! Den muss ich mir wirklich merken. Vielleicht werde ich es heute, gleich mal versuchen.&lt;&lt; ,sagte die Oberschwester.<br \/>\nDen Rest des angebrochen Nachmittags verbrachten die Schwestern damit, Pflaster und Mullbinden nach Gr\u00f6\u00dfen zu ordnen. Viele der Leinens\u00e4cke, in denen das Material transportiert worden war, wiesen faustgro\u00dfe L\u00f6cher auf und waren leicht Nass oder noch nicht einmal richtig verschlossen, deshalb wurde der Werkstoff herausgenommen und in ein Lager gebracht, dass vorher von den \u00c4rzten bestimmt worden war.<br \/>\nAls der Abend n\u00e4her r\u00fcckte, war es f\u00fcr einige wenige etwas ganz besonderes, den Captain Bartlett, lud die betroffenen zum Dinner ein. Dazu z\u00e4hlte man nicht nur die h\u00f6heren Offiziere, sondern auch \u00c4rzte, Chirurgen, Oberschwester Jessop und Jasmin Stroud. Alle warfen sich in Schale, die M\u00e4nner in teure Smokings und die Damen in sch\u00f6ne, elegante, lange Kleider. W\u00e4hrend die anderen Besatzungsmitglieder, einige Decks darunter, wie immer zusammen in der Dienstkleidung a\u00dfen.<br \/>\nViolet holte Jasmin bei Ihrer Kabine ab, Sie hatte es nicht weit, den beide hatten eine Kabine auf dem C-Deck.<br \/>\nJasmin war allerdings noch nicht einmal fertig, Sie k\u00e4mpfte vergeblich mit Ihrem Kleid aus Paris: &gt;&gt;Es ist gleich 18 Uhr und Sie sind noch immer nicht fertig? Was haben Sie den die ganze Zeit gemacht?&lt;&lt; ,fragte die Oberschwester.<br \/>\n&gt;&gt;Ich habe Probleme mit meinem Kleid, k\u00f6nnten Sie mir schnell helfen? W\u00e4hrenddessen kann ich meine Ohrringe, sowie die Halskette anlegen.&lt;&lt; ,erwiderte Jasmin hektisch. Sogleich eilte Jessop herbei und nahm sich dem st\u00f6rrischen Kleid mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen an. &gt;&gt;Das Kleid ist wirklich wundersch\u00f6n, aber echt hartn\u00e4ckig.&lt;&lt; ,pustete Violet.<br \/>\n&gt;&gt;Danke! Ich finde ihr Kleid, ist auch eine Augenweide. Wo haben Sie es gekauft&lt;&lt; ,fragte die Agentin.<br \/>\n&gt;&gt;In einem Laden gleich bei uns um die Ecke. Das Gesch\u00e4ft ist seit Jahren, in Familienbesitz von bekannten und ich finde, Sie machen wirklich, sehr sch\u00f6ne Kleider.&lt;&lt; ,erwiderte die Oberschwester und f\u00fcgte hinzu: &gt;&gt;Ich habe Ihren Rat befolgt.\u00a0\u00a0Das Kleid hier, finde ich f\u00fcr mich, am bequemste.&lt;&lt;<\/p>\n<p>&gt;&gt;Haben Sie es schon bereut?&lt;&lt; ,fragte Stroud.<br \/>\n&gt;&gt;Nein! Bis jetzt noch nicht und ich glaube, das werde ich auch nicht.&lt;&lt; ,merkte Jessop an.<br \/>\nNach wenigen Minuten war Jasmin endlich fertig, beide gingen gemeinsam den Korridor entlang. Als Sie vor dem Besprechungsraum des Schiffes haltmachten, war Stroud ein wenig verwirrt: &gt;&gt;Sind Sie sich sicher, dass es hier in diesem Raum stattfinden soll?&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Selbstverst\u00e4ndlich! Ich fahre nicht das erste mal hier mit.&lt;&lt; ,erkl\u00e4rte Violet.<br \/>\n&gt;&gt;Aber warum der Besprechungsraum?&lt;&lt; ,wollte Sie wissen. &gt;&gt;Also das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten. Wahrscheinlich, weil er einfach nur Elegant ist.&lt;&lt; ,entgegnete Ihr Jessop und damit behielt die Oberschwester auch recht. Wie die Kabinen des Captains war der Raum mit edlem Holz vert\u00e4felt, zwei Lampenschirme die einem Kronleuchter \u00e4hnlich sahen, hingen \u00fcber dem Tisch und einige Gem\u00e4lde von historischen Schiffen waren an den W\u00e4nden angebracht. Ein sehr gro\u00dfer Teppich umfasste, den langen, gedeckten Tisch. Bartlett, der die beiden bezaubernden Damen herein kamen sah, begr\u00fc\u00dfte sie freundlich und musterte Sie auch gleich gr\u00fcndlich: &gt;&gt;Guten Abend die Damen. Setzten Sie sich doch.&lt;&lt; ,sagte er mit ruhiger Mine.<br \/>\nJasmin, die an einen zerbrechlichen Schmetterling erinnerte, zeigte Ihr sch\u00f6nes Gesicht mit roten Lippen. Unter dem breiten, zitronengelben Hut mit rosa Blumenbl\u00fcten und blauem Band, war wieder das kastanienbraune Haar zu erkennen. Dazu hatte die Frau ebenfalls ein Zitronen gelbes Kleid an, das fast bis zum Boden reichte, leichte Umrisse eines Korsetts waren auszumachen. Dazu trug Sie eine Handtasche unter dem Arm, die im gleichen hellen Gelb leuchtete. Violet hingegen trug etwas, das zu Ihren Namen passte, ein bodenlanges Kleid in leichtem Violett. Dazu lange, wei\u00dfe Handschuhe und eine dunkel violette Handtasche. Der Hut von Jessop \u00e4hnelte einem indischen Turban in Hellgr\u00fcn, unter dem das dunkelbraune Haar v\u00f6llig verschwand, mit einer goldenen Brosche an der Front, an denen noch zwei Federn befestigt waren. Auch Sie hatte sich, roten Lippenstift und etwas Wimperntusche aufgetragen.<br \/>\n&gt;&gt;Guten Abend.&lt;&lt; ,sagten beide gleichzeitig und setzten sich an die letzten freien Pl\u00e4tze am Tische, ziemlich weit hinten. Alle Personen an dem wundervollen gedeckten Tisch waren Jasmin bereits vertraut oder vorgestellt worden, wie zum Beispiel: Pater Tramonti der katholische Pfarrer des Schiffes oder Paul Wagner der Allgemeinarzt, der meistens Ihr zum Fr\u00fchst\u00fcck gegen\u00fcbersa\u00df. Weitere die Stroud kannte waren: Der lustlose Offizier an der Gangway mit dem Namen Jacob Graham, der franz\u00f6sische Chirurg Martin Dubois, in den Violet so verknallt war und der Chef Maschinist Robert Fleming.<br \/>\nKurz darauf stand der Captain auf und erhob das Sektglas \u00fcber die K\u00f6pfe der anderen: &gt;&gt;Ladys and Gentleman! Darf ich Sie noch einmal ganz herzlich an Bord der HMHS Britannic begr\u00fc\u00dfen. Das Dinner h\u00e4tte schon l\u00e4ngst stattfinden sollen, aber es gab leider eine Menge zu tun und der Sturm hat uns wiederum einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute ist das Wetter, dem Himmel sei Dank, viel besser, er eignet sich hervorragend, f\u00fcr dieses Dinner. Somit erhebe ich nun mein Glas und w\u00fcnsche uns allen viel Gl\u00fcck f\u00fcr die \u00dcberfahrt.&lt;&lt; ,sagte Bartlett und nahm einen Schluck. Die anderen machten es ihm gleich: &gt;&gt;Auf die \u00dcberfahrt!&lt;&lt;<br \/>\nDer lange Tisch aus kostbarem Holz war sehr sch\u00f6n vorbereitet. Ein gro\u00dfes wei\u00dfes Stofftuch bedeckte die h\u00f6lzerne Tischplatte, zwei Kerzen sorgten f\u00fcr angenehme Stimmung und das gut duftende Blumengesteck in einem bronzenen Untertopf rundete alles ab. Auch das Porzellangeschirr sah Edel, als auch kostbar aus, mit seinen goldenen Verzierungen an den R\u00e4ndern und dem Wappen der White Star Line in der Mitte. Gl\u00e4nzende Gl\u00e4ser und lupenreines Silberbesteck war um den sauberen Teller angereiht.<br \/>\nVier G\u00e4nge wurden nacheinander f\u00fcr das Mahl gereicht, nur die feinsten, sowie besten Speisen waren f\u00fcr das Dinner des Captains gerade gut genug:<br \/>\nAls Vorspeise gab es etwas Leichtes: &gt;&gt;Pochierter Lachs mit Kr\u00e4uter Schaumso\u00dfe.&lt;&lt;<br \/>\nDer erste Hauptgang war: &gt;&gt;Gebratenes Lendensteak mit Sauce Forestiere.&lt;&lt;<br \/>\nDer zweite Hauptgang beinhaltete: &gt;&gt;Gebratenes T\u00e4ubchen auf Kresse.&lt;&lt;<br \/>\nUnd das kalorienreiche Dessert bestand aus: &gt;&gt;Eclairs mit Schokoladen und Vanille creme.&lt;&lt;<br \/>\nEs schmeckte alles au\u00dferordentlich vorz\u00fcglich, zu jedem Gang wurde auch noch der richtige Wein dazu gereicht. Jasmin fand das sehr \u00fcbertrieben und brachte es, vor allen G\u00e4sten zu Sprache.<br \/>\nSie tupfte sich mit der wei\u00dfen Stoffserviette, dem aufgestickten Emblem der White Star Line darauf den Mund ab und legte Sie ihn Ihren Scho\u00df: &gt;&gt;Captain! Ich m\u00f6chte nicht respektlos erscheinen, aber finden Sie es nicht ein wenig anma\u00dfend ein so gro\u00dfes Dinner f\u00fcr uns aufzufahren, w\u00e4hrend andere im Sch\u00fctzengraben liegen und f\u00fcr England sterben? Wir sind hier schlie\u00dflich nicht auf einer Kreuzfahrt!&lt;&lt;<br \/>\nDer ganze Raum wurde ruhig und schaute auf Jasmin, als auch auf Alfred Bartlett, der leicht besch\u00e4mt auf seinen halb vollen Teller starrte. Der Captain wusste im ersten Moment nicht wirklich, was er dazu sagen sollte, aber irgendwie hatte Sie ja Recht damit.<br \/>\nDarauf hob er seinen Kopf und erwiderte: &gt;&gt;Miss Stroud! Das Dinner des Captains ist seit Jahren etwas ganz besonderes, egal auf welchem Schiff. Ich habe Sie alle eingeladen, weil ich wei\u00df, dass es viel Kraft kostet seine Arbeit inmitten des Krieges normal zu verrichten, w\u00e4hrend Geliebte Menschen und Freunde an der Front, um Ihr Leben k\u00e4mpfen. Dies hier sind spezielle Gerichte, die Sie gerade noch so genossen haben und von der Speisekarte der Titanic kopiert sind. Damit will ich mein Beileid zum Ausdruck bringen f\u00fcr die vielen Todesopfer jener Nacht. Ich wollte nur, dass Sie einen Augenblick nicht an die Grausamkeiten dort drau\u00dfen denken m\u00fcssen, sondern auch einmal die sch\u00f6nen Zeiten des Lebens betrachten und das Dinner mit mir hier, zu genie\u00dfen. Aber Sie k\u00f6nnen gerne gehen, wenn Sie m\u00f6chten.&lt;&lt;<br \/>\nNun blickte auch die Agentin err\u00f6tet auf den fast leeren Teller und w\u00fcnschte sich verlegen, Sie h\u00e4tte dieses Anliegen niemals angeschnitten. Zum Gl\u00fcck wechselte Dubois das Thema: &gt;&gt;Haben Sie schon geh\u00f6rt? Die Deutschen, benutzen jetzt auch schon Giftgas gegen unsere Truppen. Viele sterben dabei oder verlieren Ihr Augenlicht. Ist das zu glauben?&lt;&lt;<br \/>\n&gt;&gt;Davon habe ich auch schon geh\u00f6rt. Ihre Methoden werden immer aggressiver, anscheinend gehen Ihnen langsam die Ideen aus.&lt;&lt; ,meinte Fleming.<br \/>\n&gt;&gt;Auf was f\u00fcr Einf\u00e4lle kommen die deutschen und \u00d6sterreicher als N\u00e4chstes? Als ob das nicht schon gereicht h\u00e4tte, uns mit Bomben best\u00fcckten Luftschiffen anzugreifen.&lt;&lt; ,warf Graham ein.<br \/>\n&gt;&gt;Es gab zwar einige Verletzte und Tote zu beklagen, dennoch haben wir alle Ihre Luftschiffe vom Himmel geholt.&lt;&lt; ,erwiderte Robert Hume.<br \/>\n&gt;&gt;Es wird langsam Zeit, dass der Herr dem Krieg ein Ende setzt! Wie lange wollen wir uns noch gegenseitig, die K\u00f6pfe einschlagen?&lt;&lt; ,meinte Pater Tramonti.<br \/>\n&gt;&gt;Bis eine der Seiten, aufgibt oder gewinnt.&lt;&lt; ,meldete sich der Offizier Laws zu Wort.<br \/>\n&gt;&gt;Schluss jetzt!&lt;&lt; ,schrie die Oberschwester \u00fcber die plaudernde Menge hinweg: &gt;&gt;H\u00f6rt jetzt bitte auf, \u00fcber diesen schrecklichen Krieg zu sprechen. Wir haben noch lange genug damit zu tun!&lt;&lt;<br \/>\nWieder herrschte Totenstille auf den Pl\u00e4tzen und man konnte sogar das Stampfen der Maschinen ganz leise h\u00f6ren. Trotzdem wurde es noch ein lustiger und angenehmer Abend, bis in die Nacht hinein, wurden alte Geschichten ausgetauscht, sowie sich, \u00fcber viele Themen unterhalten.<br \/>\nKurz vor Mitternacht ging der erste Gast, der junge und aufsteigende Offizier, Jacob Graham verlie\u00df den Tisch: &gt;&gt;Wenn Sie mich bitte entschuldigen w\u00fcrden, aber ich bin sehr M\u00fcde. Ich w\u00fcrde gerne mein Quartier aufsuchen.&lt;&lt; ,teilte er allen mit.<br \/>\n&gt;&gt;Sie wollen schon gehen?&lt;&lt; ,fragte der Franzose leicht entt\u00e4uscht.<br \/>\n&gt;&gt;Ja leider. Ich habe Morgen die Fr\u00fchschicht und m\u00f6chte nicht verschlafen oder unkonzentriert auf der Br\u00fccke stehen.&lt;&lt; ,erwiderte er.<br \/>\n&gt;&gt;Schon gut Graham! Sie d\u00fcrfen wegtreten! Eine gute Nacht w\u00fcnsche ich Ihnen!&lt;&lt; ,antwortete Alfred.<br \/>\n&gt;&gt;Ihnen auch allen eine gute Nacht!&lt;&lt; ,f\u00fcgte Jacob hinzu und verschwand aus der T\u00fcr. Jasmin versp\u00fcrte pl\u00f6tzlich, einen tiefen Drang dem Offizier hinterher zu eilen, einfach nur um herauszufinden, ob er auch wirklich in seinem Quartier verschwand, um zu schlafen oder ob er nicht vielleicht etwas anderes vor hatte.<br \/>\n&gt;&gt;Sie entschuldigen mich bitte kurz!&lt;&lt; ,sagte Stroud und verlie\u00df anschlie\u00dfend ebenfalls das Zimmer. Wie erwartet, hatte Ihr Agenteninstinkt Sie nicht getr\u00fcbt, Jacob Graham war nicht dem Korridor zu seiner Kabine gefolgt, stattdessen war er auf das Bootsdeck gegangen und kletterte die Leiter auf das Dach des Funkraumes hinauf. Dann versteckte er sich in Rettungsboot A unter dem Spanntuch, das dort befestigt war. Stroud versuchte unentdeckt zu bleiben und versteckte sich ebenfalls unten in eines der Rettungsboote. Soweit sich Jasmin erinnern konnte, musste es Boot C gewesen sein, in das Sie geschl\u00fcpft war. Mit gro\u00dfen Augen versuchte Sie das Geschehen zu verfolgen. Bedauerlicherweise, konnte die Agentin weder was h\u00f6ren, noch etwas sehen. Durch die Ger\u00e4usche des Wassers und das laute Windgeheule, <span style=\"line-height: 1.6;\">h\u00f6rte man absolut\u00a0nicht das geringste, w\u00e4hrend der kalte Nachtwind, die Augen zum Tr\u00e4nen brachte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6;\">In Rettungsboot A lag ein Koffer mit einem Funkger\u00e4t und Kopfh\u00f6rern unter einem Leinentuch verborgen, Jacob hatte es dort bei der Abfahrt platziert. Er wollte es eigentlich mit in sein Quartier nehmen, aber fand es sicherer, es hier an Ort und Stelle zu lassen. Er telegrafierte damit an die U-37:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6;\"><strong><span style=\"line-height: 1.6;\">&gt;&gt;Habe die Waffen im Frachtraum gefunden Stopp! Schiff muss am 16. November um 8:10 Uhr zerst\u00f6rt werden Stopp! Werde versuchen es zu verlangsamen Stopp!&lt;&lt;<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6;\">Erst als der Mann langsam aus seinem Versteck gekrochen kam, h\u00fcpfte auch Jasmin schnell aus Ihrem Versteck hervor. Erschrocken von dem L\u00e4rm der Agentin, kam der Offizier flink die Leiter herunter. &gt;&gt;<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">Mister Graham! Ich dachte, Sie wollten sich zur Ruhe begeben?&lt;&lt; ,fragte Sie freundlich. &gt;&gt;<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">Ich&#8230;\u00e4\u00e4hhh&#8230;.wol..wollte noch etwas \u00fcberpr\u00fcfen, das Rettungsboot hier scheint, ein Loch zu haben.&lt;&lt; ,antwortete Jacob und zeigte darauf. &gt;&gt;E<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">in Loch? Wie bedauerlich. Ich hoffe, wir werden keines davon ben\u00f6tigen.&lt;&lt; ,meinte Stroud und konnte diese L\u00fcge, meilenweit gegen den Wind riechen. &gt;&gt;<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">Und was machen Sie zur so sp\u00e4ter Stunde hier drau\u00dfen?&lt;&lt; ,fragte er nach. &gt;<span style=\"line-height: 1.6;\"><span style=\"line-height: 1.6;\">&gt;Ich wollte mir nur ein wenig die Beine vertreten, in dem Salon ist es unglaublich stickig geworden.&lt;&lt; ,erwiderte die Agentin. &gt;&gt;<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">Nun gut! Ich werde jetzt besser schlafen gehen.&lt;&lt; ,\u00e4u\u00dferte er. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.6;\"><span style=\"line-height: 1.6;\">&gt;&gt;<\/span><span style=\"line-height: 1.6;\">Ich begleite Sie ein St\u00fcck. Ich bin n\u00e4mlich auch f\u00fcrchterlich M\u00fcde.&lt;&lt; ,erwiderte Sie und hakte sich mit ihrem Arm bei ihm ein. Nachdem Jacob, sich an seiner Kabine von Jasmin verabschiedet hatte, konnte auch Sie zufrieden ins Bett gehen, weil sich dieser Offizier, gerade zum Hauptverd\u00e4chtigen gemacht hatte.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag 14. November 1916 Der n\u00e4chste Tag begann ruhig, \u00fcber die Nacht hin, hatte der Sturm an Kraft verloren und der Wellengang normalisierte sich. Allerdings blieben weiterhin, die grauen Wolken am Himmel h\u00e4ngen. Jasmin hatte eine, Ihrer schlimmsten N\u00e4chte hinter sich gebracht, m\u00fcde und schl\u00e4frig, schleppte Sie sich an den Schrank. 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