Tag 6

Freitag 17. November 1916

Dieser sonnige Tag begann angenehm ruhig, als auch routinemäßig. Stroud war wie immer, als Krankenschwester verkleidet und hatte Ihren Kolleginnen beim Überziehen der Betten auf Deck B und anderen Dingen, eifrig geholfen. Auf diesem Deck, gab es weit aus weniger Betten zu Überziehen, weil hier das Promenadendeck mit ansehnlicher Verglasung, einen großen Teil einnahm. Dafür standen aber hier, zahlreiche Kisten und Säcke an den Seiten herum, sodass nur noch eine bescheidene Gasse auf dem Promenadendeck übrig blieb. Auf Deck A, oder auch oberes Promenadendeck genannt, wurde hingegen nicht mit Betten ausgestattet, hier kam die Besatzung und Ärzte unter, während tief im Bauch der Britannic, die Krankenschwestern und Hilfsarbeiter Ihre Kabinen hatten.
Später als gewöhnlich frühstücken die Krankenschwestern heute ihn Ihrem Schwesternzimmer, wie immer setzte sich Violet an Strouds Seite: >>Ich habe gerade zwei Offiziere belauscht, stell Dir vor was ich gehört habe.<< ,erzählte die Oberschwester.
Beide hatten Ihre Freundschaft zueinander gefestigt und tauschten gerne alltägliche Geschichten aus, Sie konnten sich alles erzählen und sprachen gerne miteinander.

>>Was hast Du denn gehört?<< ,fragte die Agentin neugierig nach.
>>Gestern Nacht wäre der Funkverkehr lahmgelegt worden. Jemand soll das Kabel zum Telegrafenmast gekappt haben.<<                                                                              Leise ergänzte Jessop: >>Ich glaube ja, dass es der Spion war. Er will uns bestimmt, von der Außenwelt abschneiden, damit wir kein Notsignal versenden können und niemand merkt, wenn wir oder das Schiff vom Erdboden verschwindet.<<
>>Unsinn Violet! Ich habe das Kabel zerrissen und wurde sogar fast erwischt dabei.<< ,erwiderte Jasmin flüsternd.
>>Du! Warum?<< ,fragte Sie schockiert. >>Ich habe auf dem Bootsdeck in einem der Rettungsboote, einen voll funktionsfähigen Funktelegrafen gefunden, der sicherlich Jacob Graham gehört. Ich wollte es, außer Gefecht setzten und habe dabei leider mehr kaputtgemacht, als ich eigentlich wollte. Jetzt kann ich nicht einmal mehr selber, mit dem SIS in Kontakt treten.<< ,erklärte Jasmin verärgert.

>>Dann musst Du sofort zum Captain gehen und ihm das erklären, als ihn auch davon zu unterrichten, dass Graham der Spion ist.<< ,meinte Violet.
>>Die Beweise werden aber dafür noch nicht ausreichen. Ich brauche noch mehr stichhaltige Indizien, andernfalls werde ich höchsten ausgelacht. Außerdem glaube ich das der Captain und seine zwei hohen Offiziere etwas von mir verbergen, zumindest traue ich Ihnen nicht mehr so ganz.<< ,antwortete Jasmin nachdenklich.
>>Meinst du, Sie stecken mit dem deutschen Spion unter einer Decke? Das wäre doch furchtbar!<< ,äußerte Jessop unruhig.
>>Ich hoffe es nicht! Das möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie das ausgehen würde. Wir hätten dann auf jeden Fall ein großes Problem.<< Meinte die Agentin und fuhr fort: >>Sie kennen meine Vorgehensweise. Ich trage Ihnen meine Informationen fast täglich vor, die ich gesammelt habe. Es wäre für uns alle wahrscheinlich tödlich.<< erwiderte Stroud.
Die Oberschwester nahm sich eine zweite Scheibe Brot und schmierte leckere, rote Erdbeermarmelade darauf. Danach goss sich noch ein wenig, warmen Tee ein.
Die Agentin genoss, in der Zwischenzeit, einen großen Schluck Kaffee aus Ihrer Tasse und nahm dann allen Mut zusammen, um den gestrichen Abend zu erwähnen.
>>Als ich gestern Nacht den Draht gekappt habe, ist mir danach der Offizier William Laws über den Weg gelaufen.<< ,erklärte Sie Ihr.
>>War er es, der Dich beinahe erwischt hätte?<< ,fragte Jessop nach.
Mit unerkennbarer Mine, erzählte Jasmin weiter: >>Ja! Es war ziemlich knapp, aber er bekam nichts davon mit. Dafür war Laws Charmant, freundlich und zuvor kommend wie immer. Manchmal wünschte ich mir, dass alle Männer so wären wie er.<<
>>Wenn Du das so sehen möchtest. Ich finde immer noch Dubois viel hübscher.<< ,meinte Violet. >>Aber allein gut auszusehen macht keinen Mann perfekt. Er muss Charme, Humor und Treue besitzen, um als richtiger Mann durchzugehen.<< ,antwortete Jasmin.
Violet wechselte wieder zum letzten Thema zurück: >>Was ist dann an Deck passiert als William aufkreuzte?<<
>>Naja! Irgendwie fühlten wir uns voneinander angezogen und dann kam eines zum andern. Wir….<<

Jasmin wollte gerade zu Ende sprechen, als die Oberschwester hastig rein sprach: >>Sag mir jetzt bitte nicht, dass Ihr in Deiner Kabine….<<
>>…Nein um Gottes willen! Was denkst Du denn von mir. Wir haben uns auf dem Peildeck geküsst.<<
>>Geküsst!<< ,schrie Violet laut und entrüstet über die Tische hinweg. Der ganze Raum schaute die beiden an.                                                                                               >>War diese Lautstärke unbedingt nötig gewesen?<< ,fragte Stroud leise Ihre Freundin. Sie schämte sich in Grund und Boden, ihre Wagen wurden heiß.
Jessop, legte Ihren Arm um Jasmins Schulter und meinte zornig: >>Ich muss zugeben, dass ich ein wenig erleichtert bin, dass nicht mehr passiert ist, aber dennoch habe ich von Dir ein wenig mehr Zurückhaltung erwartet! Erst sagt Du mir, dass unsere drei höchsten Offiziere Verbrecher sind und dann küsst du einen davon, auf dem Peildeck!<< ,antwortete die Oberschwester verärgert.
>>Es war mehr ein Ausrutscher als große Liebe und etwas Gutes hat es auf jeden Fall gehabt. Da mir der Offizier nun völlig verfallen ist, komme ich jetzt besser an Gefälligkeiten und Informationen heran.<< ,meinte Jasmin aufgeregt.
>>Tu, was du nicht lassen kannst! Aber sei bitte vorsichtig dabei!<< ,erwiderte besorgt die Oberschwester.

Da nun alle Betten auf den fünf Decks überzogen waren, wurden den Schwestern neue Aufgaben zugeteilt. Waschschüsseln und Handtücher mussten aktuell, unter den Betten verstaut werden. Unter jedem Schlafplatz, einmal beides davon. Damit auch keiner der Krankenschwestern aus der Übung kam, wurde sich gegenseitig Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen, sowie mit dem Stethoskop abgehört. Jasmin kannte sich auf diesem Gebiet überhaupt nicht aus und konnte höchstens Fiebermessen, aber die anderen Gerätschaften, waren Ihr total fremd. Violet wusste als Einzige davon. Sie erklärte sich bereit, Ihr dabei zu helfen. Mit dem Stethoskop wurde angefangen und die Brust, sowie der Rücken abgehört. Dann Blutdruck gemessen, der im guten Bereich zwischen 120 zu 80 lag. Danach Temperatur, die genau 37 Grad anzeigte und zum Schluss der Puls, der sich bei einer Erwachsenen Frau, zwischen 60-75 Schlägen pro Minute einpendelte. Als alle Schwestern mehrmals geübt und getestet hatten, wurden die Gerätschaften ordentlich gereinigt, als auch wieder in die jeweiligen Schränke verstaut.
Am Nachmittag suchte Stroud auf der Promenade etwas Zerstreuung und reflektierte über die Geschehnisse der vergangenen Tage, die an Bord zurücklagen. Sie starrte auf das türkisblaue Wasser und war froh, dem Krieg so weit wie möglich fern zu sein.
Leider stimmte dies nicht ganz, denn der Krieg tobte auch auf dem Ozean. Das Mittelmeer, als auch der Atlantik, wurden zu den gefürchtetsten Gebieten für Schiffe, jeglicher Art und manchmal trafen dort, die Fronten hart aufeinander. Nur die Britannic, war vor alledem geschützt, durch ein Rotes Kreuz auf der Bordwand. Jedoch wie lange, wusste niemand? Denn sie war vor kurzem, einem U-Boot angriff gerade so entkommen und pflügte nun, seelenruhig durch die umkämpften Gewässer. Ob es zurzeit, überhaupt noch einen sicheren Ort auf der Welt gab, wusste niemand. Aber im Moment war Jasmin, hier auf dem Schiff lieber und fühlte sich sicherer, als irgendwo anders auf diesem Planeten.

Gegen 18:00 Uhr traf die Britannic dann endlich, mit größerer Verspätung in Neapel ein. Sie ankerte etwas außerhalb des Hafens, weil für ein so enorm großes Schiff, kein Anlegeplatz vorhanden war. Mehrere kleine Schiffe brachten die Mannschaft, die an Land wollten, in den Hafen. Auch Jasmin und Violet bestiegen eines der Dampfschiffe, die im Gegensatz zur Britannic wirklich winzig schienen. Zahlreiche Frachtschiffe kamen Ihnen entgegen, um die Britannic mit Nahrungsmitteln, medizinische Güter , als auch mit Kohle zu beliefern. Die starken Lastenkräne, hoben die großen und schweren Kisten an Bord, während die restliche Crew, alles ordentlich unter Deck verstaute. Auch ein Reparaturteam, bestehend aus Ingenieuren, Metallarbeitern, Maschinenbauern und einigen Tauchern machten sich an das Werk, das Hospitalschiff instand zu setzten. Bartlett hoffte auf eine schnelle, aber auch kurze Mängelbeseitigung, um pünktlich den Hafen von Neapel wieder zu verlassen.
In der Kabine des Captains, fand in der Zwischenzeit, eine wichtige Unterhaltung über die anstehenden Reparaturen statt. Hume, der schon eine ganze Mappe des Arbeitsaufwandes erhalten hatte, gab Sie dem Bartlett in die Hand: >>Die Arbeiter haben mit den Reparaturen bereits begonnen Captain, sie gehen aber davon aus, dass Sie erst Sonntag früh damit fertig werden. Außerdem wird Morgen noch eine weiter Gruppe kommen, die das Telegrafenkabel auswechseln wird.<< ,erklärte Robert.  Laws stellte gleich die nächste Frage, die aufkam: >>Seit wann sprechen Sie italienisch? Das wusste ich gar nicht.<<
Hume drehte sich zu William um: >>Pater Tramonti hat mir dabei assistiert! Er hat mit den Arbeitern verhandelt, als auch die Listen hier, für uns übersetzt. So viel ich weiß, stammt er nicht weit von hier und besucht für die nächsten zwei Tage, einige Familienangehörige.<< ,antwortete der Offizier.
Alfred saß in seinem bequemen Sessel und nickte in die Mappe hinein: >>Solange wollten ich eigentlich nicht hierbleiben, aber wenn es nötig ist bleibt uns wohl keine andere Wahl. Wie schlimm ist es denn?<< ,fragte er                                                          Der erste Offizier, blätterte für den Captain auf die nächste Seite um: >>Hier sieht man die arbeiten aufgelistet. Die gute Nachricht ist, die Maschinen sind nicht beschädigt, da unser guter Chefingenieur Fleming, darauf aufgepasst hat. Die schlechte ist, dass sich ein sehr langes und starkes Seil, um die mittlere Schraube gewickelt hat. Es muss von Tauchern per Hand entfernt werden, da wir nicht in das Trockendock können, es ist nämlich zu klein für die Britannic.<<                                                                             >>Ich habe noch nie gehört, dass es Arbeiter gibt, die auch an einem Sonntag arbeiten?<< ,fragte William in die kleine Runde hinein.
>>Eigentlich wäre das auch so, aber als Pater Tramonti erzählt hat, dass wir ein Hospitalschiff sind und auf dem Weg sind, verwundete von der Front abzuholen, wurde anscheinend ihr Nationaler stolz geweckt. Auch konnten wir den Arbeitern verständlich machen, dass es sehr wichtig sei und wir es eilig haben.<< ,erwiderte Hume.
Nun schaltete sich auch der Captain wieder mit ein: >>Wie viel werden die Reparaturen kosten?<<
Hume zuckte nur leicht mit den Schultern: >>Eine genaue Summe konnten Sie mir nicht mitteilen. Die Arbeiter begutachtet noch den Schaden, doch sollte noch mehr defekt sein, werden die Kosten wahrscheinlich steigen.<<
>>Das kann uns doch egal sein. Den Aufwand zahlt sowieso die Royal Navy oder White Star.<< ,meinte William.                                                                                            >>Mir aber nicht Mister Laws! Ich werde an Land zum nächsten Postamt gehen und die Admiralität in London über diese widrigen Umstände informieren.<< ,sagte Bartlett und scheuchte seine Offiziere aus den Zimmer.

Agentin Stroud verlor keine Zeit, Sie machte sich, nachdem das Schiff angelegt hatte, sofort auf den Weg, zur nächsten Bundesbehörde. Violet, die endlich Froh war, festen Borden unter den Füßen zu spüren und ebenfalls den Spion hinter Gittern sehen wollte, begleitete Sie.
Als die beiden an der Behörde ankamen, versperrte leider die Tür ihnen den weg.
>>Verdammt! Es ist abgeschlossen. Ich brauche dringend ein Telegraf.<< ,sagte Stroud sichtlich verärgert. >>Wie wäre es mit dem Postamt? Die werden sicherlich auch ein Telegramm verschicken können.<< ,erwiderte die Oberschwester.
>>Gute Idee! Dann gehen wir dorthin.<< ,antwortete Sie.
Zu zweit suchten Sie die engen Gassen in der Nähe des Marktplatzes ab und waren verzaubert von diesem mediterranen Flair. Wäscheleinen mit frisch gewaschener Kleidung, hingen von einem Balkon zum anderen herüber, während die Nachbarn lautstark auf italienisch, um den letzten Platz auf der Leine stritten.

– Dazu würde es in London niemals kommen – dachte sich Jasmin. -Dafür waren die Straßen viel zu breit und zahlreiche Fabriken spuckten große Mengen Ruß aus, dass würde die weiße Wäsche nicht gut vertragen. Außerdem passte dieser Anblick nicht in eine Großstadt, wie London, Liverpool oder Dover-
In vielen Straßen spielten die Kinder Ball, Räuber und Gendarm oder Verstecken. Sie waren in der übernächsten Gasse immer noch zu hören, während Handgemachte Waren in den Straßen feil geboten wurde. Von Weitem konnte man schon den massiven Vesuv erblicken, der hinter der Stadt in den Himmel aufragte. Die Spitze des Vulkans, verschwand fast in den Wolken. Die letzten Sonnenstrahlen streiften die Dächer von Neapel und trafen dann auf die kargen Steinhänge des Vulkans, es sah so aus, als wäre der Vesuv von einem berühmten Künstler gemalt worden.
>>Dort ist es!<< ,schrie Violet aus, als das Postamt endlich in die nähe gerückt war.
Als Sie dort eintreten wollten, kam ein alt bekanntes Gesicht aus dem Postamt.
>>Captain Bartlett! Was tun Sie den hier?<< ,fragte Jasmin verwundert.
Alfred erwiderte: >>Da auf der Britannic noch immer kein Funkverkehr möglich ist, habe ich hier schnell eine Nachricht nach England geschickt und unsere aktuelle Position durch gegeben.<<
>>Wie lange werden die Reparaturen dauern?<< ,sprach Violet nun an.
>>Wir hoffen, dass die Arbeiten bis zum Sonntagmorgen erledigt sein werden, aber versprechen kann ich nichts.<< ,antwortete Charles, der sich höflich verabschiedete und die Straße zum Hafen hinunter ging.
Einen Augenblick später hörte man, wie jemand den Schlüssel im Schloss der Tür umdrehte und den Zugang zum Postamt abriegelte. Stroud klopfte fest an die Tür: >>Hey! Aufmachen! Wir müssen dringend telegrafieren! Wir brauchen nur fünf Minuten!<< ,schrie Jasmin über den Marktplatz. Doch keiner öffnete mehr die Tür, nur eine Hand erschien am nächsten Fenster und stellte ein >>Geschlossen<< Schild hinein.
Stroud runzelte die Stirn: >>Verflixt! Das kann doch echt, nicht war sein!<<
Violet beruhigte Sie ein wenig: >>Wir sollten morgen früh noch einmal herkommen, aber jetzt suchen wir uns erst einmal ein schönes Restaurant und Essen was. Ich habe nämlich tierischen Hunger.<< ,meinte Jessop.
>>Du hast recht, gehen wir Essen. Ich habe auch großen Hunger.<< ,antwortete Jasmin.
Nach der ausgiebigen Mahlzeit mit Suppe, Lasagne und Tiramisu als Nachtisch in einer Pizzeria namens >>Amore Mio<<. Schafften es die beiden gerade noch rechtzeitig, schweißgebadet und völlig außer Atem, das letzte Dampfschiff zu bekommen, das zur Britannic aufbrach.