Tag 10 – noch vor acht Uhr

Dienstag 21. November 1916

Paul Wagner einer der deutschen Allgemeinärzte an Bord der Britannic, betrat gerade den Arrestbereich. Mann hatte ihn holen lassen, weil der Gefangene Jacob Graham, starke Magenschmerzen hatte. Ein Wachmann, öffnete die Zelle und ließ Herrn Wagner zu dem Gefangenen hinein. Er schaute kurz auf die Uhr, es war gerade 7:35 Uhr.

Rückblick:
Vor dem Jahr 1900, lebte Paul mit seiner Familie im schönen Bayern, weit ab von den Großstädten, am Land. Die saftigen grünen Wiesen, die großen Berge und Täler waren seine Heimat gewesen. Jeden Morgen, wenn er seine Praxis aufsperrte, konnte man bei schönen Wetter, die Schneebedeckten Gipfel der Alpen sehen.
Durch die Industrialisierung, die sich in ganz Europa entwickelte, zogen viele Familien in die Stadt nach München hinein, um mehr Geld zu verdienen und weil es massenhaft Arbeitsplätze gab. Somit blieb für Paul die kranke Kundschaft aus. Deshalb beschloss Herr Wagner mit seiner Familie, das Gleiche zu tun und das Land, gegen die Ruß bedeckte Großstadt einzutauschen.

In München allerdings war er im Vergleich zu früher sehr unbeliebt, keiner wollte zu einem Arzt gehen, der vom Land gekommen war. >>Tierarzt<<, >>Stümper<< und andere Frechheiten musste er sich gefallen lassen.
Nach reiflicher Überlegung und Diskussionen mit seiner Frau Eva, entschied er sich, dass Deutsche Kaiserreich zu verlassen. Aber wohin sollte er mit seiner Familie gehen?
Vielleicht nach Österreich-Ungarn, der Schweiz, Frankreich oder Belgien. Wo würde man ihn Willkommen heißen? Da er nur ein wenig Englisch konnte, zogen Sie zusammen auf die britischen Inseln. London strebte die Familie nicht an, aber Irland war mehr nach seinem Geschmack, denn dort gab es ebenfalls grüne und saftige Wiesen, wie damals in Bayern.
Außerhalb von Belfast etablierte sich Herr Wagner mit seiner Frau und den zwei Kindern, gleichzeitig eröffnete er in Belfast eine neue Arztpraxis. Das Geld für die zahlreichen Gerätschafften und der Medikamente, leite er sich von einem Kredithai, der viele, als auch hohe Zinsen verlangte. Aber durch das gut laufende Geschäft der Praxis, würde er den Kredit schnell zurückzahlen können. Als aber dann der Krieg ausbrach, wurde er vom britischen Militär eingezogen, durch seinen guten Ruf als Arzt, durfte er sich deshalb seinen neuen Arbeitsplatz fast selbst aussuchen. Es gab die Auswahl zwischen, Allgemeinmediziner auf der HMHS Britannic, um die Verwundeten dort gesund zu pflegen, oder als Sanitäter und Handfeuerwaffen ausgebildet zu werden, um später im Schützengraben, die Verletzten zusammen zu flicken. Natürlich wollte er so wenig wie möglich mit dem Krieg zu tun haben, deshalb nahm er, dass erste Angebot mit Dank an. Schließlich war es nicht für immer, sondern nur solange wie der Krieg herrschte.

Gegenwart:
Jacob Graham, krümmte sich am Boden seiner Zelle und schrie vor Schmerzen laut auf. >>Warum hat man mich erst so spät informiert, dieser Man leidet ja fürchterlich.<< ,fragte der Arzt den Wachmann.
>>Ich dachte er simuliert nur.<< ,erwiderte der riesige Matrose mit rauer, dunkler Stimme. Wagner zeigte mit seiner Hand auf Graham und war darüber sehr aufgebracht: >>Nennen Sie das etwa simulieren? Sie sehen doch, wie er sich quält<<  ,entgegnete er: >>Ich werde ihn jetzt untersuchen, verlassen Sie bitte für einen Moment den Raum!<<  ,fügte Wagner hinzu.
>>Tut mir Leid Sir, aber Captain Bartlett gab mir den strikten Befehl, Mister Graham nicht aus den Augen zu lassen!<< ,antwortete der Matrose.
>>Ich warne Sie! Treiben Sie es bitte nicht noch auf die Spitze! Verlassen Sie sofort den Raum! Sonst können Sie sich auf was gefasst machen!<< ,zürnte der Arzt und warf den hochgewachsenen Matrosen aus dem Zimmer.
Als die Tür mit lautem Knallen ins Schloss fiel, hörte Jacob augenblicklich auf zu schreien. Er drehte sich um: >>Ist er endlich weg?<< ,fragte er seinen Boss.
>>Ja! Du kannst aufstehen! Dieser Idiot, hat doch tatsächlich seinen Schlüssel hier liegen lassen.<< ,lachte der Arzt und hob den Messingschlüssel in die Höhe.

Rückblick:
Was Paul Wagner niemanden erzählt hatte, schon gar nicht seiner Familie ist. Das kurz nachdem er sich damals für die Britannic entschieden hatte, zwei seltsame Gestalten in schwarzen Mänteln, in seiner Praxis aufgetaucht sind. Es war gerade Mittagszeit und sein Wartezimmer leer.
>>Entschuldigung die Störung, aber wir würden uns gerne mit Ihnen ein wenig unterhalten.<< ,sagte einer der Männer auf gutem Deutsch. Erst glaubte er an einen Überfall von Räubern oder Lakaien des Kredithais, von dem er sich das Geld geliehen hatte, wären gekommen.
Jedoch stellte sich heraus, dass die beiden aus Deutschland kamen und ihn gerne, zu einem Kaiserreich verbundenen Agenten rekrutieren wollten. Sie erzählten Paul davon, wie hinterhältig England und Amerika gemeinsam agierten, als auch von Unmengen Munition an Bord der Britannic, bei ihrer Abfahrt. Wie Sie herausgefunden hatten, dass er ein Deutscher ist und das Schiff mit Waffen beladen war, sagten Sie ihm nicht. Eine menge Geld boten sie Paul an, um seine Schulden bei dem Kredithai zu begleichen und hatten bereits einen Plan für ihn vorbereiten. Als herausragender Arzt auf einem Hospitalschiff, würde er keinen Verdacht auf sich ziehen und konnte somit unbemerkt operieren.                                                            Nachdem man Wagner rekrutiert hatte, überreichten die zwei Männer, Paul eine Mappe und verließen das Haus. Dort stand alles Weitere drin, was er wissen musste, welche Waffen die Britannic geladen hatte und wenn er alles kontaktieren musste. Von nun an kämpfte er auf der gegnerischen Seite, für sein Heimatland Germany.
Das jedoch ausgerechnet eine britische Agentin, auf das Schiff gekommen war, konnte niemand vorausahnen. Wodurch der Plan kurzerhand etwas überarbeitet wurde.

Gegenwart:
Wagner machte seinen alten und großen ledernen Arztkoffer, mit einem roten Kreuz darauf auf. In einem Geheimfach im Boden befanden sich, zwei Handfeuerwaffen, ein Messer und die Mappe. Außerhalb dieses Faches, waren die medizinischen Geräte aufbewahrt.
>>Hier nimm das Messer!<< ,sagte Paul zu seinem Komplizen, er fügte hinzu: >>Ich werde den Matrosen jetzt wieder hereinlocken, während Du dich, von hinten heran schleichst und ihm die Kehle durchschneidest.<< ,befahl er.
Jacob nickte kurz, nahm das Messer aus der Tasche und lehnte sich angespannt an das Schott, neben der Tür.
>>OK! Sie können wieder rein kommen.<< ,sagte Wagner und öffnete die Tür.
Der Matrose kam herein, sah die leere Arrestzelle vor sich, bevor er aber reagieren, umdrehen oder Hilfe rufen konnte, lag er schon am Boden und gurgelte Blut.
>>Schnell runter in den Frachtraum!<< ,sagte der Arzt. Gleichzeitig zog er Graham am Arm, aus den Raum heraus.
>>Warte! Was ist, wenn uns jemand erwischt?<< ,fragte Jacob sichtlich nervös.
>>Spiel die Magenschmerzen einfach weiter, wir tun so als würden wir zu meinem Behandlungszimmer gehen.<< ,meinte Paul hastig. Schnell machten sich die beiden aus dem Staub und rannten die Korridore des großen Schiffes entlang.

Jasmin war schon früh auf den Beinen. Sie kam gerade aus Ihrer Kabine, als Robert Hume Ihr entgegen rannte und vor weiten schon schrie: >>Miss Stroud! Ms. Stroud!<<
>>Was gibt es so dringendes Mister Hume?<< ,wollte die junge Dame wissen.
>>Ich habe unseren wachhabenden Matrosen tot im Arrest gefunden, ihm wurde die Kehle durchgeschnitten. Graham ist auch verschwunden. Captain Bartlett weiß schon Bescheid und ist gerade dort.<< ,erzählte er aufgeregt. >>Moment! Ich komme sofort!<< ,erwiderte Jasmin, schnell packte Sie sich noch, ihre Pistole in die Handtasche ein.

Dort angekommen lag die Leiche des Matrosen immer noch so dort, wie er gefallen war, eine beachtliche Blutlache hatte sich von seinem Hals aus ausgebreitet und schloss den halben Körper darin ein. Seine Uniform saugte sich langsam mit Blut voll, während das helle Weiß, dem Rot wich. Stroud entdeckte sofort die Blutspuren, die von einem Schuhabdruck her rührten.
>>Wo führt dieser Korridor hin?<< ,fragte Sie den Captain.
>>Er führt zu einem Treppenhaus und von dort aus, zu den Kesselräumen, sowie in den Frachtraum.<< ,antwortete Alfred.
>>Wer war als Letztes bei dem Gefangenen?<< ,fragte Sie weiter.
>>Als Letztes ich und Doktor Wagner vorhin.<< ,äußerte Hume.
Die Agentin schaute verwundert:>>Was wollte der Doktor hier?<<
Jasmin hatte Doktor Wagner in den letzten Tagen ziemlich gut kennengelernt, meistens saß er Ihr beim Frühstück oder anderen Mahlzeiten direkt gegenüber, er schien ein kluger, als auch gebildeter Mann zu sein und war bei der Mannschaft überaus beliebt. Stroud wusste, das Paul aus Deutschland oder genauer gesagt aus Bayern kam und eine Familie hatte, dennoch zeigte er zu keiner Zeit ein auffälliges Benehmen, so wie es Graham an den Tag gelegt hatte.
>>Mr. Graham ging es nicht gut, wir haben ihn rufen lassen, damit er Jacob behandelt.<< ,teilte Bartlett mit.
Nun dämmerte es der Agentin. Ein deutscher Arzt behandelt einen deutschen Spion, dass konnte nicht gut gehen, wie man gerade erkennen konnte. Nun machte auch der weiße Stofffetzen einen Sinn: >>Kannten sich die beiden gut?<< ,forschte Stroud weiter nach.
>>Gut würde ich es nicht bezeichnen, Sie kannten sich, wie jeder andere an Bord auch.<< ,erklärte der erste Offizier.
>>Sie glauben doch nicht etwa, dass die beiden unter einer Decke stecken. Das ist doch völlig absurd.<< ,fügte der Captain hinzu.
>>Da bin ich mir nicht so sicher, ich ziehe nur logische Schlussfolgerungen.<< ,sagte Sie zu Alfred und wandte sich erneut an Hume: >>Darf ich fragen, wie spät es ist?<<
Robert nahm seine Taschenuhr aus seiner Uniform: >>Aber natürlich! Es ist kurz vor acht Uhr.<< ,antwortete er. >>Dann muss ich mich beeilen, ich habe nämlich ein ungutes Gefühl in der Magengrube!<< ,äußerte Sie und rannte den blutigen Fußspuren hinterher.

>>Soll ich Ihr Folgen?<< ,fragte Hume seinen Captain. >>Ja! Nehmen Sie sich zwei Matrosen mit und bleiben sie Vorsichtig!<< ,antwortete Bartlett.

Kurz nach acht Uhr, fuhr die Britannic in den Kanal von Kea ein, der zwischen dem griechischem Festland, als auch der Insel Kea verlief. Dadurch hatte dieser Kanal, seinen Namen erhalten und war für große Schiffe, wie der Britannic, durch seine hohe Tiefe, gut geeignet. Es war herrlichstes Wetter, die Sonne stieg hinter den Inseln der Ägäis hervor, während der Ozean spiegelglatt blieb. Auch heute wurde das Schiff, von zahlreichen Möwen begleitet. Wie jeden Morgen, wechselte die Nachtschicht mit der Frühschicht in den Kesselräumen und des Maschinenraumes, die Schotten als auch einige Bullaugen, waren weit geöffnet.

Die U-37 hatte die Britannic im Sichtfeld, durch die Rauchschwaden Ihrer ovalen Schornsteine, wurde Sie schon von Weitem gesichtet. Das U-Boot machte sich für den Angriff bereit, ein Ladeteam aus mehreren Männern, bugsierte den Torpedo in die vordere Öffnung.
Jacob Graham und Paul Wagner waren schon lange im Frachtraum angekommen. Sie waren gerade damit beschäftigt, einen Sprengsatz direkt bei dem Waffenversteck zu montieren, als plötzlich Jasmin Stroud herein gestürzt kam: >>Keine Bewegung! Im Namen des Gesetzes! Kommen Sie langsam nach vorn und nehmen Sie Hände nach oben, damit ich Sie sehen kann!<< ,schrie Sie auf und zielte auf die beiden.
Langsam standen die zwei Verbrecher auf, hatten aber ebenfalls Pistolen in den Händen. Sie dachten gar nicht daran, aufzugeben oder die Hände nach oben zu strecken. >>Ganz ruhig Miss Stroud! An Ihrer Stelle würde ich aufgeben, denn Sie sind in der Unterzahl. Zwei gegen eine.<< ,äußerte der Arzt.
>>Das Spiel ist aus! Die Verstärkung wird jeden Moment hier sein!<< ,sagte Stroud und dachte ebenfalls nicht daran Ihre Arme zu heben. Beide kriminellen, lachten amüsierten über Jasmin, die ihnen noch immer alleine gegenüber stand.
>>Warum tun Sie das? Es gibt doch sicherlich eine friedliche Lösung?<< ,erwiderte die Agentin. Wieder lachten die beiden Schurken sie aus. Wagner erhob das Wort: >>Wissen Sie eigentlich, wie schlimm der Krieg in Wirklichkeit ist? Was glauben Sie wird England mit Deutschland anstellen, wenn es nach dem Krieg besiegt ist? Sollen wir etwa Tatenlos dabei zu sehen, wie Deutschland zu Grunde geht? Wir werden unser stolzes Land, bis zum letzten Mann verteidigen.<< ,meinte Paul ehrgeizig. Mit seinem Revolver deutete er im Frachtraum herum und zeigte dann damit, auf das große Arsenal an Kriegsmaterial vor ihm: >>In wenigen Sekunden, liegt all das hier, am Grund des Meeres. Denn genau das sind nämlich Ihre scheiß britischen Waffen, die Sie selbst nicht gefunden haben. Somit wären dann unsere beiden Missionen erfüllt nicht war? Wir können nun beruhig vor unseren Schöpfer treten!<< ,sagte Paul zur Agentin. Gleichzeitig zielte er mit seiner Handfeuerwaffe auf den Sprengsatz.

Das U-Boot hatte den Frachtraum des Hospitalschiffes anvisiert, der Torpedo war im vorderen Abteil geladen und bereit. Diesmal war auch kein Kriegsschiff in der Nähe, was hätte zur Hilfe eilen können, es stand sehr schlecht um die Britannic. Der Kapitän schaute auf seine Taschenuhr und gab den Befehl zum abfeuern: >>Torpedorohr 1! Feuer!<<

Stroud war sich bewusst, dass Sie nur einen Gegner außer Gefecht setzen konnte, bevor der andere, den Sprengsatz zünden würde. Sie musste Zeit gewinnen bis Verstärkung eintraf: >>Warten Sie noch! Ich weiß leider nicht, wie grausam der Krieg ist, zumindest nicht direkt und ich möchte mir gar nicht ausmalen, was im Moment dort draußen vor sich geht. Aber Sie beide können ein wenig Grausamkeit verhindern, indem Sie diese Bombe nicht zur Detonation bringen. Ich weiß wie schwer und brutal das Leben sein kann, aber jeder von uns muss damit fertig werden.<< ,verkündete Stroud.
In diesem Augenblick, drückte Paul Wagner mit sein Waffe ab, zum gleichen Zeitpunkt traf der Torpedo, das wehrlose Lazarettschiff. Die heftige Explosion, durch Sprengsatz, Torpedo und Munitionspulver, ergab einen solch starken Zündstoff, dass es die Britannic, mächtig erbeben als auch erzittern lies. Die gewaltige Feuersbrunst, schleuderte Stahltüren aus Ihren Angeln und katapultierte die Frachtluke, auf dem Brunnendeck, in die Luft. Eine meterhohe Wasserfontäne, die fast bis zum Krähennest reichte, spritzte nach oben, während vom Frachtraum nicht viel übrig blieb. Sofort wurde der Alarm ausgelöst, auf dem ganzen Schiff hörte man die schrillen Töne.