Tag 9

Montag 20. November 1916

Am frühen Vormittag des 20. Novembers, der wieder ein Montag war, wurde ein weiterer Probealarm ausgelöst. Wie die Male zuvor, musste die Crew so schnell wie möglich, ohne viel Aufruhr, an Deck erscheinen. Danach wurden die Rettungsboote mit Personen gefüllt und dazu die Zeit gestoppt. Erneut wurde dies, fünf mal geübt, um sicher gehen zu können, für einen Angriff oder Notfall gewappnet zu sein.
Nach dem Frühstück, bekamen die Krankenschwestern, weitere Erholungszeit für sich. Denn in wenigen Tagen, wenn die Britannic in Limnos angekommen ist, wird es davon nicht mehr all Zuviel geben. Die vielen Verwundeten und Verletzten werden nämlich dann, Priorität haben. Sie verbrachten ihre Zeit, gerne unter sich, mit anderen Personen an Bord, oder waren in der Bibliothek, sowie am Shuffleboardplatz zu finden. In der Zwischenzeit war die Agentin damit beschäftigt, die Briefe aus Grahams Kabine zu begutachten.

Sie kannte nur, zwei oder drei Codierungsschlüssel der deutschen und davon noch nicht einmal, die Standardcodierung. Sie hielt also als erstes, den Brief ins Licht, um versteckte Buchstaben oder Zahlen zu finden, aber leider erfolglos. Dann versuchte Sie einen Trick, den Kinder als auch Spione, noch Heute gerne anwenden. Indem Sie ein weiteres Blatt auf den Brief legte und mit einem Bleistift schraffierte, jedoch wieder ohne Ergebnis.
Früher wurden auch geheime Botschaften, mit Zitronensaft, Milch oder Essig geschrieben, die man dann erhitzen musste, um Sie lesbar zu machen. Unsichtbare Tinte wurde diese Art genannt. Allerdings konnte man vorher schon feststellen, ob eine Botschaft darauf geschrieben worden war, weil Sie nach einiger Zeit, nicht mehr Geruchsneutral blieben. Stroud, nahm die Briefe nun in die Hand und atmete tief ein, um einen Geruch festzustellen, doch auch hier keine Auswirkungen. Danach hielt Sie die Mitteilungen, lange über eine Lampe, aber keine Buchstaben kamen zu Vorschein. Erst jetzt versuchte Sie die Decodierung, Sie wollte nichts unversucht lassen und probierte Stunden lang herum. Leider alles ohne Resultat.
– Vielleicht hatte Violet recht gehabt und es waren wirklich nur Briefe aus der Heimat – dachte Sie verärgert. Stroud beschloss die Briefe, in ein Geheimfach Ihres Schmuckkästchens zu legen, damit waren Sie für außenstehende, aus dem Verkehr gezogen.
Auch das Funkgerät von Graham im Koffer, dass man ihr gebracht hatte, wurde von ihr unter die Lupe genommen. Jasmin baute es sogar komplett auseinander, um eventuell etwas zu finden, aber außer Jacobs Fingerabdrücke, die schon genug Beweise erbracht hatten, fand Sie nichts weiter. Der Koffer mit Inhalt,  blieb so lange bei Ihr in Gewahrsam, bis der Spion vor Gericht gestellt werden kann. Abschließend wurde der Frachtraum nochmals, von Matrosen, als auch Captain Bartlett überprüft. Jasmin musste Alfred, lange und eingehend anflehen, damit er sich bereit erklärte, einen Trupp nach unten zu schickte. Leider wurde auch bei dieser Suche nichts gefunden, Weder eine Luke noch irgendwelche Kisten mit Waffen. Wer hatte nun Recht? Wem konnte man Glauben schenken? Langsam war Sie aber zu der Überzeugung angelangt, dass Jacob Graham Sie nur verunsichern wollte, um von sich selber abzulenken.
Beim Mittagessen im großen Saal, gab sich Jasmin als Agentin vom MI6 zu erkennen und war erst gar nicht in Ihrer Krankenschwester Garderobe erschienen. Sie konnte es nicht ausstehen Personen anzulügen, die mit der Mission nichts zu tun hatten, außer es war unbedingt nötig. Vielen blieb dabei das Fleisch in Halse stecken, während andere über diesen Witz, laut lachen konnten. Die Oberschwester stand auf und brachte die lachenden erst einmal zum Schweigen: >>Es ist wahr! Was Ihnen die Agentin Stroud hier erzählt, weil ich nicht nur Zeuge war, sondern Ihr auch, bei den Ermittlungen geholfen habe. Sie spricht die Wahrheit, weil ich selbst dabei war!<<
Nun blieb Ihnen allen die Spucke weg, einige ließen sogar vor Schreck das Besteck fallen.
>>Mein Auftrag auf der Britannic war es, einen deutschen Spion auf die Schliche zu kommen und ihn den britischen Behörden von Mudros zu übergeben. Heute darf ich Ihnen bekannt geben, dass der Spion im Arrest des Schiffes sitzt. Er wird keine Bedrohung mehr für uns darstellen. Es war ein Crewmitglied des Schiffes, den einige von Ihnen bestimmt kennen. Sein Name ist Jacob Graham, ein junger Offizier von der Brücke. Er hat uns nicht nur alle belogen, sondern auch raffiniert getäuscht und stand wahrscheinlich, die ganze Zeit mit dem U-Boot in Kontakt. Wir nehmen an, dass es sich um ein deutsches Unterseeboot handelt, dass uns angegriffen hat. Nur die höheren Offizier, Oberschwester Jessop und meine Wenigkeit, haben davon gewusst, um Panik oder tote Personen zu vermeiden. Genießen Sie die restliche Zeit an Bord der Britannic, dass wohl nun der sicherste Punkt im Mittelmeer sein dürfte. Ich bedanke mich trotzdem bei allen, für Ihre Unterstützung!<< ,erklärte Jasmin und war leicht irritiert, als es still blieb.
Viele Leute waren von der Flut an Informationen, die ihnen die Agentin aufgetischt hatte, komplett überrumpelt, als auch fassungslos. Es fühlte sich ungeheuerlich an, was hinter Ihren Rücken an Bord vorgegangen war und im Verborgenen abspielte. Sie waren zwar nun alle sicher, aber niemand empfand auch so. Ein einziger Spion brachte es fertig, ein ganzes Schiff, sowie deren Besatzung in Gefahr zu bringen und ein U-Boot auf Sie zu hetzen. Wir konnte so etwas in der heutigen Zeit passieren?

Die Britannic lies die italienische Halbinsel hinter sich und kam wieder auf das offene Mittelmeer hinaus. Mit voller Kraft, wurde der Kurs in Richtung Griechenland aufgenommen, um die verlorene Zeit wieder wett zu machen. Spätestens in der Nacht sollte das Schiff, an der Insel Kythira vorbei kommen und morgen früh die Straße von Kea erreichen. Am Tag darauf den 22. November früh morgens, wird die Britannic dann, in den Hafen von Mudros einlaufen.

Die Besatzung der U-37, hatte den Angriff des britischen Kreuzers knapp überlebt. Wasser war in Massen eingedrungen, die Elektronik versagte und die Motoren streikten, Sie konnten sich aber aus eigner Kraft wieder aufraffen. Der deutsche Kommandant, wollten so wenig Zeit wie möglich verschwenden, denn die Britannic musste unbedingt überholt werden, um einen zweiten Angriffsversuch zu starten. Dies war nun Ihre Mission, sie arbeiteten dafür, rund um die Uhr und während der Fahrt, damit das Ziel erreicht werden konnte. Das gelang Ihnen auch, als das Lazarettschiff in Neapel haltmachte. Nun warteten Sie, in der nähe der Fahrtroute darauf, dass es am Horizont und im Fadenkreuz des Fernrohrs auftauchte.
Der Kommunikations Offizier des U-Bootes, hatte oft versucht mit dem Spion auf der Britannic erneut Kontakt aufzunehmen, jedoch kam nie eine Antwort zurück, deshalb beschloss man Jacob Graham für tot oder gefangen zu erklären und die Mission, trotzdem wie geplant fortzusetzen.

Stroud spazierte, nachdem Mittagessen zum Captain auf die Brücke, Sie wollte, in Erfahrung bringen, wie es Jacob im Arrest so erging. Obwohl Bartlett viel zu tun hatte, nahm er sich die Zeit, mit der Agentin zu plaudern.
>>Wie geht es Mr. Graham? Führt er sich anständig auf?<< ,fragte Sie.
>>Ich nehme mal an, ganz gut.<< ,meinte Bartlett und sprach weiter: >>Seit wir mit Ihm gesprochen haben, spricht er mit niemandem mehr. Er bekommt jeden Tag etwas Essen und zu trinken, eine Wache hält ihn ständig im Auge. Er fühlt sich bestimmt wohl.<< ,berichtete er.
>>Mehr können wir im Moment für ihn sowieso nicht tun.<< ,meinte Jasmin und wechselte das Thema:>>Ich habe die Britannic in den letzten Tagen sehr gut kennengelernt und bin viel auf dem Schiff herumgekommen, aber ich würde gerne mehr darüber erfahren, vorausgesetzt das Ihnen dazu die Zeit nicht fehlt.<< ,sagte Stroud interessiert.
>>Ein bisschen Zeit kann ich immer erübrigen. Was möchten Sie den wissen?<< ,fragte Captain Bartlett die junge Dame.
>>Als wir den Probealarm geübt haben, sind einige Heizer und Maschinisten in die Rettungsboote gestiegen. Ich würde gerne mal sehen, wie die Leute dort unten so arbeiten?<< ,erwiderte Sie.
>>Das lässt sich einrichten! Folgen Sie mir!<< ,sagte Alfred und ging voraus.
Viele Treppen, sowie Korridore später, erreichten Sie Kesselraum 6. Von dort aus wurden alle Segmente nach hinten durchlaufen, bis in den Hauptmaschinenraum. Eine unglaubliche Hitze, herrschte in jedem Abschnitt. Nach wenigen Minuten schon, stande bei beiden, dass Wasser auf der Stirn. Die starken und muskulösen Heizer, schaufelten ununterbrochen Kohlen in die gewaltigen Kessel hinein, die die riesigen Dampfmaschinen der Britannic antrieben. Da Jasmin aber noch mehr wissen wollte, erklärte Bartlett, etwas genauer: >>Die Abmessungen der Britannic sind fast identisch, wie die der Olympic und die der Titanic. Ihre Länge beträgt etwa 269 m, die Breite liegt bei 28 Metern, vom Kiel bis zum Schornstein aufwärts, hat Sie die stolze Höhe von 53 m. Allein die Kessel, die Sie hier sehen können, sind fast fünf Meter hoch.<< ,erzählte der Captain und zeigte darauf. Stroud war absolut begeistert, trotz der starken Hitze.                                                                                                                        Das Schiff war so unglaublich Leistungsstark, dass ihre effizienteren Maschinen, 50.000 PS gemeinsam erbringen konnten. Damit verschafften Sie der Britannic einige Knoten mehr, als die Ihrer beiden Schwesternschiffe, konnte aber mit den schnellen Dampfern der Cunard Line, trotzdem nicht mithalten. So hatte es Ihr Alfred geschildert. Sie schlenderten zusammen, weiter nach hinten: >>Das Gewicht der stählernen Lady, liegt bei 48.158 Bruttoregistertonnen und ist damit, dass schwerste Schiff ihrer Klasse. Besitzt aber dafür, eine höhere Rettungsbootkapazität und Sicherheitsausrüstung, als ältere Schiffe im Atlantikverkehr. Drei große bronzene Schiffsschrauben, treiben die Britannic, zu Höchstleistungen an. Sie haben ein Durchmesser von fast sieben Metern.<< ,erzählte er über dem umherschlendern, während Jasmin hinter ihm blieb und aufmerksam zuhörte.
>>Eigentlich sollte die Britannic auch ein Passagierschiff werden, so hatte es zumindest die White Star Linie vorgesehen. Durch den Krieg aber, wurden diese Pläne geändert. Die Royal Navy hatte das Schiff, vor genau einem Jahr beschlagnahmt, es sollte von da an, als Hospitalschiff dienen. Aus diesem Grund, wurde auch der Name des Schiffes geändert, in Wirklichkeit sollte es Gigantic heißen. Doch das war nach dem Untergang der Titanic nicht mehr angebracht, also wurde lieber auf patriotischere Untertöne gesetzt und ein neuer Name dafür gefunden: Britannic. Wäre Sie dennoch ein Passagierschiff geworden, stünde Ihnen jetzt, eine noch größere Palette an Luxus zur Verfügung, als bei ihren Schwesterschiffen. Ich habe die Pläne damals kurz sehen dürfen.<< ,berichtete Bartlett und öffnete seine Uniform. Jasmin ging es genauso, die Hitze war staubtrocken, als auch unerträglich geworden, aber an Ihrem langen Kleid, gab es leider keine Knöpfe zum Öffnen.
>>Zwar sollte die Innenausstattung der Britannic, ihrer beiden Geschwister sehr ähneln, jedoch musste das dritte und letzte Schiff der Klasse, nochmals eine deutliche Steigerung des Komforts, durch zusätzliche Räumlichkeiten bieten. Die es an Bord der Titanic und der Olympic nicht gab. Ergänzt werden sollte, ein großzügiges Kinderspielzimmer auf dem Bootsdeck, in der Nähe des Sportraumes oder eher gesagt, unserer heutigen Bibliothek. Ein zusätzlicher Fahrstuhl, für die Passagiere der ersten Klasse, ein Damenfriseur und ein manikürt Studio, sowie ein Turnraum für die zweite Klasse. Soviel wie ich mitbekommen habe, wollte man auch das schmucklose Schwimmbad mit einer Wand- und Deckenverkleidung, aus poliertem Holz und Marmor ausstatten. Zudem waren  noch elegantere Beleuchtungskörper vorgesehen.<< ,erklärte der Captain eingängig.                                                                 Jeder Kesselraum glich dem anderen und in jedem, sah man schwer arbeitende Männer, die schweißgebadet, Kohle schaufelten. Die schweren, aus Stahl gefertigten Schottwände, die Sie zusammen durchquerten, lies auf große Sicherheit schließen. Unterdessen erläuterte Alfred die nächsten Umbaumaßnahmen: >>Das Á-la-Carte-Restaurant, sollte über die gesamte Schiffsbreite gezogen werden und so nochmals deutlich, an Größe gewinnen. Das französische Café Parisien, das sich auf den beiden Schwesterschiffen großer Popularität erfreute, wäre aber der Vergrößerung des Restaurants zum Opfer gefallen, sollte jedoch durch ein Terrassencafé auf dem A-Deck ersetzt werden. Ein wesentlicher Unterschied der Britannic ist nicht nur die jetzige Farbe, sondern auch die Überdachung des Achterdecks, wodurch auch die dritte Klasse eine überdachte und somit wettergeschützte Promenade gehabt hätte. Für das vordere Treppenhaus der ersten Klasse war außerdem, der Einbau einer Orgel vorgesehen, deren Gehäuse sich, über die Höhe von zwei Decks erstrecken durfte. Auch die Kabinen und Suiten der ersten Klasse, sollten in weiten Teilen, deutlich großzügiger ausgeführt werden. So verfügten nahezu alle Unterkünfte dieser Kategorie über einen Zugang zu privaten Toiletten- und Baderäumen, was in diesem Ausmaß kein anderes Schiff, der jetzigen Zeit bieten kann.<< ,beendete Bartlett seinen Text.
Über eine lange Leiter kamen Sie endlich in den Maschinenraum an , dort war es zwar etwas kühler, jedoch umso lauter. Die kolossartigen Turbinen, produzierten aus dem heißen Dampf, Bewegungsenergie und trieben das große Schiff vorwärts. Eine Niederdruck Turbine, wandelte den restlichen Dampf nochmals in Antriebsenergie um, damit so wenig Leistung wie möglich, verschwendet wurde. Gleichzeitig wurden davon noch mehrere Generatoren angetrieben, die das Energienetz der Britannic speisten. Die letzten Überbleibsel davon, stiegen dann, als Rauch aus dem Schornstein. So hatte es der Captain und der Chef Maschinist Fläming, versucht ihr beizubringen. Die beeindruckenden Kolben, übertrugen eine beachtliche Kraft zu den Schiffsschrauben und stampften im Takt, während der Boden unter Ihren Füßen dazu bebte.
Nach der aufregenden Erkundung im Inneren des Rumpfes, war Jasmin wieder heil Froh an Deck zu sein. Eine schwache Brise, wehte durch Ihr langes Haar und Sie atmete tief ein. Jetzt wo ihre Arbeit als Agentin vorübergehend getan war, nutze sie die Zeit, der Bibliothek auf dem Bootsdeck einen Besuch abzustatten. Es war erst das zweite Mal auf dieser Reise, dass Sie sie betreten hatte. Der Raum war eigentlich wie geschaffen für Bücherwürmer, denn es waren dort keine stampfenden Maschinen des Schiffes zu hören, sondern ausgesprochen leise und es strömte genügend Licht hinein, um eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, leider gab es in dem großen Raum nur ein paar alte Polstersessel und ein kleines Bücherregal, das nicht einmal zur Hälfte gefüllt war. Von einer ansehnlichen Bibliothek, war der Raum noch weit entfernt, aber es war zumindest ein Anfang.

Am späteren Abend, nachdem Violet mit der Arbeit fertig war, saßen sie in der Kabine von Stroud und genossen zusammen eine große Flasche Rotwein. >>Ich habe gehört, dass wir übermorgen zu Frühstückszeit nach Mudros einlaufen werden. Das hier ist also unser letzter Abend, bevor uns die Wege wieder trennen.<< ,sagte die Agentin bestürzt. >>Ja leider! Wir bleiben doch gute Freunde oder?<< ,fragte die Oberschwester nach. >>Aber sicher doch! Ich werde so oft an dich schreiben, wie ich nur kann.<< ,erwiderte Jasmin.
>>Auf uns!<< ,rief Jessop und erhob Ihr Glas in Richtung Ihrer Freundin, die mit Ihrem Weinglas anstieß. Violet wusste so gut wie gar nichts über Jasmin und wollte nun wissen, wo sie aufgewachsen war: >>Du weißt zwar viel über mich, aber ich nicht über Dich. Wo kommst du her? Wo bist du geboren, erzähl mal was von dir.<< ,sagte die Oberschwester wissbegierig.
>>Ich bin 1885 in Liverpool geboren, also bin ich um genau zu sein 31 Jahre.<<
>>Wie lange bist du schon beim MI6 oder SIS, wie auch immer Du ihn nennen möchtest?<< ,fragte Jessop weiter.
>>Fast fünf Jahre.<< ,erzählte die Agentin und fuhr fort: >>Vor langer Zeit war mein Vater ein sehr guter Polizei Inspektor in London, nach seiner Beförderung zum Detective in das Morddezernat, wurde er schließlich mit Empfehlung des Polizeipräsidenten, in den MI6 aufgenommen. Nach meinem Uniabschluss machte dort mein Vater seinen ganzen Einfluss für mich geltend, damit ich, als Frau auch in den MI6 eintreten konnte.<< ,erklärte Jasmin. >>Und danach wird man sofort zur Agentin und auf eine gefährliche Mission geschickt?<< ,löcherte Violet Sie mit weiteren Fragen.
>>Nein so schnell geht das nicht. Am Anfang ist man erst einmal ein Spitzel, dass heißt auf Parkbänken sitzen und Leute belauschen oder hinter Mauern verstecken, um jemanden nachzuspionieren. Anders ausgedrückt, Personen beschatten. Der nächst höhere Rang ist dann Informant, hier musst Du dich mit anderen Informanten treffen und Informationen austauschen. Zum Beispiel: Koffer, Dokumente oder auch verbale Kommunikation ist möglich. Das sind meistens Nacht und Nebel Aktionen, die bei jedem Wetter stattfinden müssen. Und dann, nach einigen harten Prüfungen wie: Disziplin und Selbstdisziplin, Tapferkeit, Opferbereitschaft, Hingabe, Gehorsam, Mut und Verschwiegenheit. Wird man mit viel Glück zum Agenten beziehungsweise Agentin, in meinem Fall.<< ,berichtete Jasmin stolz.
>>Wow! Wahnsinn! Der Weg dorthin war bestimmt nicht einfach? Was muss eine Agentin noch so können?<< ,wollte die Oberschwester wissen.
Stroud hielt kurz inne und versuchte ihre Gedanken in Worte zu fassen: >>Eigentlich Violet, darf ich dir darüber nicht all Zuviel erzählen. Eine gute Agentin sollte auch sehr verschwiegen sein, wenn du verstehst was ich meine.<< ,erwiderte Jasmin. Jessop begriff sofort und nickte nur.                                                                                    >>Ich kann dir nur so viel sagen, der Weg dorthin war wirklich nicht einfach, milde ausgedrückt und besonders, wenn man in einem Männer dominierten Beruf arbeiten muss. Das meiste, was ein Agent drauf haben sollte, hast Du selbst gesehen, als wir an Bord unterwegs waren. Mit Funktelegrafie umgehen, verschlüsselte Nachrichten decodieren, Zimmer durchsuchen, schwierige Mysterien aufdecken und Waffenkunde gehört ebenfalls dazu. Mann muss außerdem eine gute Auffassungsgabe mitbringen und andere Sprachen beherrschen.<< ,erklärte Sie.
>>Du hast auf jeden Fall einen besseren Job als ich.<< ,meinte Violet betrübt: >> Ich bin nur eine unbedeutende Krankenschwester.<<                                                      >>Erzähl nicht so ein Unsinn meine Liebe! Du bist nicht nur Krankenschwester, sonder schon Oberschwester und hast in den vergangenen Tagen, die wir miteinander erlebt haben, ebenfalls Mut, Hingabe und eine gute Auffassungsgabe gezeigt. Du wärst genauso wie ich, eine gute Agentin geworden, wären die Umstände anders gewesen.<< ,sagte Stroud aufrichtig. Sie versuchte Jessop ein wenig aufzumuntern. >>Wie viele Sprachen, kannst du?<< ,wollte Violet nun wissen.
Stroud überlegte kurz: >>Ich kann Französisch, ein wenig Italienisch, ein paar brocken Spanisch und am wenigsten kann ich Deutsch. Es gibt viele Sprachen die schwer sind, aber Deutsch ist wirklich der Gipfel des machbaren.<<                        Jessop lachte: >>Du hast echt einen tollen und aufregenden Beruf, so etwas würde mir bestimmt auch gefallen. Ich hoffe nur, Du erschießt mich jetzt nicht, weil ich zu viel über dich weiß?<<                                                                                                                  Auch Jasmin musste daraufhin laut auflachen, wahrscheinlich zeigte der Wein langsam seine Wirkung: >>Keine Sorge, Fräulein Oberschwester. Auch Menschenkenntnis ist wichtig bei meinem Job. Ich werde Ihnen einfach vertrauen müssen, vermutlich steht es morgen bereits, in allen Zeitungen.<<                                                                                >>Das ist nicht Fair. So eine Plaudertasche bin ich jetzt auch wieder nicht.<< ,lächelte Jessop und wollte noch mehr über Jasmin in Erfahrung bringen: >>Hast Du Familie? Kinder? Einen Mann? Was ist mit Deiner Mutter?<<
>>Meine Mutter habe ich leider nie kennenlernen dürfen. Sie ist bei meiner Geburt leider verstorben.<< ,erzählte Jasmin schwermütig.
>>Das tut mir Leid für dich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, ohne Mutter aufzuwachsen. Das ist doch sicher schrecklich gewesen?<< ,meinte Jessop.
>>Dafür war mein Vater und mein Bruder, immer da für mich, wenn ich Sie gebraut habe. Leider mein Bruder nicht mehr, es hat uns beiden das Herz gebrochen, als er von der Jungfernfahrt nicht mehr nach hause kam. Wochen lang haben wir auf eine gute Nachricht gehofft, aber irgendwann mussten wir uns damit abfinden.<< ,meinte die Agentin und war den Tränen nahe gekommen. Violet nahm Sie in den Arm: >>Ich kann mich noch so gut an die Katastrophe erinnern, als wäre es Gestern gewesen. So viele Opfer, der Lärm, die Geräusche, die Hilferufe in der Nacht, es war einfach nur grausam. So etwas wünscht man sich nicht einmal seinem größten Feind und ich hoffe niemals wieder, etwas vergleichbares durch machen zu müssen.<< ,meinte Jessop und versuchte die schlimmen Gedanken aus ihrem Gedächtnis zu verbannen: >>Hast du einen Ehemann oder Kinder?<<                                                                         Stroud schüttelte den Kopf: >>Nein, keines von beidem. Ehrlich gesagt habe ich dafür auch keine Zeit.<< ,erklärte Sie Ihr.
>>Dann sind wir schon zu zweit, genau wie Du habe ich keinen Mann und auch keine Kinder. Ich finde, allein zu  Leben einfach großartig, man hat eine Menge Freiheiten und kann die Freuden des Leben, richtig genießen oder?<< ,meinte Violet genügsam.
Jasmin hatte sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt und lächelte auch schon wieder: >>Ich merke schon, wir sind uns in manchen Dingen sehr ähnlich. Auch ohne Anhängsel, kämpfen wir uns durch das harte Leben!<< ,meinte Stroud und erhob erneut das Glas. >>Genau<< ,erwiderte Jessop.