Tag 3

Dienstag 14. November 1916

Der nächste Tag begann ruhig, über die Nacht hin, hatte der Sturm an Kraft verloren und der Wellengang normalisierte sich. Allerdings blieben weiterhin, die grauen Wolken am Himmel hängen. Jasmin hatte eine, Ihrer schlimmsten Nächte hinter sich gebracht, müde und schläfrig, schleppte Sie sich an den Schrank. Plötzlich klopfte es wieder einmal an der Tür: >>Ich komme!<< ,rief sie aus und musste daraufhin gähnen.
Vor der Tür stand Violet mit einer Packung weiterer Tabletten gegen Seekrankheit: >>Guten Morgen! Ich habe Ihnen noch mehr Tabletten vorbei gebracht. Wie geht es Ihnen?<< ,fragte Jessop besorgt nach.

>>Ehrlich gesagt ziemlich be…scheiden! Nachdem der Eimer fast voll war, habe ich die halbe Nacht vor dem Abort verbracht. Ich muss dabei eingenickt sein, denn heute Morgen bin ich im Badezimmer aufgewacht. Die Tabletten haben dagegen nichts geholfen, so schnell ich Sie hinunter geschluckt habe, genauso schnell waren Sie auch wieder draußen.<< ,erzählte Stroud und massierte sich dabei den verspannten Nacken.
Die Oberschwester, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: >>Der Sturm war echt heftig, so einen habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Auch ich muss zugegeben, dass mir leicht flau und übel war. Ich habe ebenfalls welche von den Tabletten genommen, aber der Wellengang war anscheinend so schwer, dass sie Ihre Wirkung, dabei verloren haben müssen.<<
>>Wunderbar! Das fällt Ihnen nun wirklich früh ein.<< ,meinte Jasmin verärgert.
Gemeinsam frühstückte Jasmin mit Jessop, den Krankenschwestern und einigen Ärzten in einem großen weiteren Saal, der später bevor das Schiff nach Mudros einlief, noch in einen weiteren OP-Saal umgestellt werden sollte.
Der Agentin war immer noch sehr flau im Magen und aß nur ein trockenes Brötchen, mit einem warmen Früchtetee. Alle andern schlugen sich richtig die Mägen voll, es gab Wurst- und Käseplatten, Marmeladen und Obst. Dazu viele verschiedene Brot- und Gebäcksorten, in allen Größen und Formen.
Ein deutscher Arzt namens Paul Wagner saß den beiden Schwestern gegenüber, die inzwischen schon richtige beste Freundinnen geworden waren. Er erzählte über einige schlimme Krankheiten, die auf einem Schiff, oder auf offener See, auftreten konnten. Natürlich war es nicht besonders appetitanregend, ihm zu zuhören. Er war schon etwas älter und hatte zu Hause eine wunderbare Familie, mit Frau und zwei Kindern zurück gelassen. Die auf Ihren Vater warteten, sowie schreckliche Sehnsucht nach ihm hatten.
Violet sah Jasmin am Tisch an und meinte mit einem weiteren Augenzwinkern: >>Schwester Stroud! Ich habe für Sie heute eine Sonderaufgabe. Kommen Sie bitte nach dem Frühstück in das Schwesternzimmer!<<
>>Das werde ich, Frau Oberschwester!<< ,antwortete Jasmin, ebenfalls mit einem Augenzwinkern. Eine junge Krankenschwester, die das Gespräch zufällig mit angehört hatte, fragte nach: >>Frau Oberschwester? Könnte ich vielleicht Schwester Stroud bei ihrer Sonderaufgabe unterstützen?<<
>>Nein Schwester Skilling! Das wird nicht notwendig sein. Wir haben hier genügend andere Arbeiten zu erledigen.<< ,erwiderte Jessop.
Nach dem Frühstück hatte die Agentin genügend Zeit bekommen, um weiter mit Ihren Ermittlungen voranzukommen. Sie setzte sich das Maß, bis zum heutigen Mittag, neue Ergebnisse über den Spion vorliegen zu haben.

Was Stroud und ein Großteil der Besatzung allerdings nicht wusste war, dass sich ein deutsches U-Boot an die Fersen des Schiffes geheftet hatte. Seit die Britannic an der Hafenstadt La Coruna am obersten Ende von Spanien vorbei gefahren war, hing die U-37 bereits an Ihr dran. Sie waren nicht weit entfernt und konnten die vielen Übertragungen, ohne Probleme, mit gutem Empfang abhören.
Der deutsche Spion hatte das U-Boot im Atlantik, mit eigenem Funktelegrafen kontaktiert und mitgeteilt, dass sich ein großes britisches Hospitalschiff namens Britannic, wahrscheinlich mit Waffen an Bord, im Atlantik unterwegs sei. Bei dem Empfang der Nachricht, als auch den Koordinaten in deutscher Standardcodierung, änderte der deutsche Kapitän sofort, den Kurs und nahm volle Kraft auf die Britannic auf. Er schrieb in das Logbuch: >>Ein deutscher Agent hat uns kontaktiert. Er braucht Hilfe bei seinem Auftrag. Wir verlassen unsere geplante Route und folgen dem britischen Schiff, wir werden versuchen, den Agenten zu unterstützen, so weit es möglich ist.<<
Die U-37 war eines der schnellsten U-Boote, die die deutsche Marine zu bieten hatte, 25 Mann verrichteten zurzeit darauf Ihren Dienst und Sie konnte bis zu sieben der Neuesten Torpedos mit eingebautem Gyroskop aufnehmen. Zwei Torpedos mussten jedoch als Reserve für die Heimreise aufgehoben werden, so stand es im Handbuch für U-Boot Kommandanten. Torpedos waren unglaublich schlagkräftige Waffen und daher wurde für ein Ziel, nur ein Unterwassergeschoss verwendet, sofern sie funktionierten. Es passierte nämlich sehr häufig, dass die Geschosse Fehlfunktionen aufwiesen, oder sobald Sie das Rohr verlassen hatten, zu Blindgängern wurden. Manchmal machte ein Torpedo, einfach auf halber Strecke kehrt, formte Kreise im Tiefengewässer und schoss nur um Haaresbreite, am eigenen U-Boot vorbei.
Mit diesen Schwierigkeiten hatte jeder Kommandant zu kämpfen, hinzu kam die Nässe, enge Korridore, Hitze, und Gestank von Diesel und Öl.

Wie Oberschwester Jessop gestern Morgen, wurden nun auch die beiden Offiziere Robert Hume und William Laws von Stroud vernommen. Geschockt von der großen Menge an Fragen, fragte Hume neugierig: >>Warum durchlöchern Sie uns mit derartig, vielen Fragen? Muss das unbedingt sein? Wir sind Offiziere und haben wirklich wenig Zeit für so einen Mist!<<
>>Pardon! Aber wenn ich Ihnen vertrauen soll, muss ich einiges über Sie in Erfahrung bringen. Wenn Sie sich noch ein wenig Gedulden würden, dann sind wir sofort fertig.<< ,antwortete die Agentin.
>>Woher wollen Sie wissen, ob wir die Wahrheit sprechen? Wir könnten Sie auch, ebenso gut belügen.<< ,fragte nun Laws.
>>Ich werde ihre Daten natürlich an den MI6 weiterleiten, die Sie dann gewissenhaft überprüfen und mir wieder zurück schicken werden.<< ,sagte Sie.
>>Wurde der Captain schon überprüft?<< ,wollte Robert wissen.
>>Natürlich! Glücklicherweise hatte ich diese Informationen, bereits vor der Abfahrt. Ich versichere Ihnen, ich werde niemanden vergessen. Aber nun sind erst mal Sie noch an der Reihe. Können wir jetzt weitermachen?<< ,fragte Jasmin verärgert nach.
Beide Offiziere nickten verständnisvoll und beantworteten alle Fragen so gut Sie konnten. Stroud schrieb sich alles wieder, in Ihrem Block auf und kam zum erneuten Male, auf den Gedanken, dass der Spion vielleicht, einer von der Besatzung, oder den unteren Offizieren sein könnte.
Am späten Nachmittag klarte das Wetter auf und die ersten warmen Sonnenstrahlen brachen durch die Wolkendecke. Das Meer glitzerte durch die Strahlen, als wäre es dünnes Silberpapier. Jasmin war zurück bei den Krankenschwestern, die sich bereits auf das D-Deck vorgearbeitet hatten. Die meisten Betten waren überzogen und der Raum gut durchgelüftet. >>Freuen Sie sich schon auf heute Abend?<< ,kam Ihr Violet entgegen. >>Was meinen Sie?<< ,fragte Stroud entsetzt nach.
>>Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Das Dinner des Captains ist Heute, Sie wurden eingeladen.<< ,erwiderte Jessop, doch Jasmin zuckte nur mit den Schultern.
>>Sagen Sie jetzt bitte nicht, man hat Sie vergessen zu informieren. Wie konnte das nur passieren?<< ,klang die Oberschwester verärgert. >>Wahrscheinlich schon, denn leider weiß ich von nichts.<< ,entgegnete die Agentin.
>>Nun wissen Sie Bescheid. Ich hoffe, Sie haben etwas Passendes dabei?<< ,fragte Sie.
>>Allerdings! Ich habe mir vor etlichen Jahren ein Kleid in Paris gekauft und hoffe das es noch passt.<< ,erwiderte Jasmin leicht aufgeregt.

>>Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Ich habe zwei sehr schöne Kleider dabei, aber ich kann mich noch für keines so richtig entscheiden.<< ,sagte Violet.
>>Ich würde nicht zu sehr auf das Aussehen bedacht sein.<< ,antwortete Stroud und fuhr fort: >>Suchen Sie sich das heraus, indem Sie sich am wohlsten fühlen. Das mache ich schon seit Jahren so und war bis jetzt noch nie daneben gelegen.<<
>>Ein echt guter Tipp! Den muss ich mir wirklich merken. Vielleicht werde ich es heute, gleich mal versuchen.<< ,sagte die Oberschwester.
Den Rest des angebrochen Nachmittags verbrachten die Schwestern damit, Pflaster und Mullbinden nach Größen zu ordnen. Viele der Leinensäcke, in denen das Material transportiert worden war, wiesen faustgroße Löcher auf und waren leicht Nass oder noch nicht einmal richtig verschlossen, deshalb wurde der Werkstoff herausgenommen und in ein Lager gebracht, dass vorher von den Ärzten bestimmt worden war.
Als der Abend näher rückte, war es für einige wenige etwas ganz besonderes, den Captain Bartlett, lud die betroffenen zum Dinner ein. Dazu zählte man nicht nur die höheren Offiziere, sondern auch Ärzte, Chirurgen, Oberschwester Jessop und Jasmin Stroud. Alle warfen sich in Schale, die Männer in teure Smokings und die Damen in schöne, elegante, lange Kleider. Während die anderen Besatzungsmitglieder, einige Decks darunter, wie immer zusammen in der Dienstkleidung aßen.
Violet holte Jasmin bei Ihrer Kabine ab, Sie hatte es nicht weit, den beide hatten eine Kabine auf dem C-Deck.
Jasmin war allerdings noch nicht einmal fertig, Sie kämpfte vergeblich mit Ihrem Kleid aus Paris: >>Es ist gleich 18 Uhr und Sie sind noch immer nicht fertig? Was haben Sie den die ganze Zeit gemacht?<< ,fragte die Oberschwester.
>>Ich habe Probleme mit meinem Kleid, könnten Sie mir schnell helfen? Währenddessen kann ich meine Ohrringe, sowie die Halskette anlegen.<< ,erwiderte Jasmin hektisch. Sogleich eilte Jessop herbei und nahm sich dem störrischen Kleid mit Händen und Füßen an. >>Das Kleid ist wirklich wunderschön, aber echt hartnäckig.<< ,pustete Violet.
>>Danke! Ich finde ihr Kleid, ist auch eine Augenweide. Wo haben Sie es gekauft<< ,fragte die Agentin.
>>In einem Laden gleich bei uns um die Ecke. Das Geschäft ist seit Jahren, in Familienbesitz von bekannten und ich finde, Sie machen wirklich, sehr schöne Kleider.<< ,erwiderte die Oberschwester und fügte hinzu: >>Ich habe Ihren Rat befolgt.  Das Kleid hier, finde ich für mich, am bequemste.<<

>>Haben Sie es schon bereut?<< ,fragte Stroud.
>>Nein! Bis jetzt noch nicht und ich glaube, das werde ich auch nicht.<< ,merkte Jessop an.
Nach wenigen Minuten war Jasmin endlich fertig, beide gingen gemeinsam den Korridor entlang. Als Sie vor dem Besprechungsraum des Schiffes haltmachten, war Stroud ein wenig verwirrt: >>Sind Sie sich sicher, dass es hier in diesem Raum stattfinden soll?<<
>>Selbstverständlich! Ich fahre nicht das erste mal hier mit.<< ,erklärte Violet.
>>Aber warum der Besprechungsraum?<< ,wollte Sie wissen. >>Also das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten. Wahrscheinlich, weil er einfach nur Elegant ist.<< ,entgegnete Ihr Jessop und damit behielt die Oberschwester auch recht. Wie die Kabinen des Captains war der Raum mit edlem Holz vertäfelt, zwei Lampenschirme die einem Kronleuchter ähnlich sahen, hingen über dem Tisch und einige Gemälde von historischen Schiffen waren an den Wänden angebracht. Ein sehr großer Teppich umfasste, den langen, gedeckten Tisch. Bartlett, der die beiden bezaubernden Damen herein kamen sah, begrüßte sie freundlich und musterte Sie auch gleich gründlich: >>Guten Abend die Damen. Setzten Sie sich doch.<< ,sagte er mit ruhiger Mine.
Jasmin, die an einen zerbrechlichen Schmetterling erinnerte, zeigte Ihr schönes Gesicht mit roten Lippen. Unter dem breiten, zitronengelben Hut mit rosa Blumenblüten und blauem Band, war wieder das kastanienbraune Haar zu erkennen. Dazu hatte die Frau ebenfalls ein Zitronen gelbes Kleid an, das fast bis zum Boden reichte, leichte Umrisse eines Korsetts waren auszumachen. Dazu trug Sie eine Handtasche unter dem Arm, die im gleichen hellen Gelb leuchtete. Violet hingegen trug etwas, das zu Ihren Namen passte, ein bodenlanges Kleid in leichtem Violett. Dazu lange, weiße Handschuhe und eine dunkel violette Handtasche. Der Hut von Jessop ähnelte einem indischen Turban in Hellgrün, unter dem das dunkelbraune Haar völlig verschwand, mit einer goldenen Brosche an der Front, an denen noch zwei Federn befestigt waren. Auch Sie hatte sich, roten Lippenstift und etwas Wimperntusche aufgetragen.
>>Guten Abend.<< ,sagten beide gleichzeitig und setzten sich an die letzten freien Plätze am Tische, ziemlich weit hinten. Alle Personen an dem wundervollen gedeckten Tisch waren Jasmin bereits vertraut oder vorgestellt worden, wie zum Beispiel: Pater Tramonti der katholische Pfarrer des Schiffes oder Paul Wagner der Allgemeinarzt, der meistens Ihr zum Frühstück gegenübersaß. Weitere die Stroud kannte waren: Der lustlose Offizier an der Gangway mit dem Namen Jacob Graham, der französische Chirurg Martin Dubois, in den Violet so verknallt war und der Chef Maschinist Robert Fleming.
Kurz darauf stand der Captain auf und erhob das Sektglas über die Köpfe der anderen: >>Ladys and Gentleman! Darf ich Sie noch einmal ganz herzlich an Bord der HMHS Britannic begrüßen. Das Dinner hätte schon längst stattfinden sollen, aber es gab leider eine Menge zu tun und der Sturm hat uns wiederum einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute ist das Wetter, dem Himmel sei Dank, viel besser, er eignet sich hervorragend, für dieses Dinner. Somit erhebe ich nun mein Glas und wünsche uns allen viel Glück für die Überfahrt.<< ,sagte Bartlett und nahm einen Schluck. Die anderen machten es ihm gleich: >>Auf die Überfahrt!<<
Der lange Tisch aus kostbarem Holz war sehr schön vorbereitet. Ein großes weißes Stofftuch bedeckte die hölzerne Tischplatte, zwei Kerzen sorgten für angenehme Stimmung und das gut duftende Blumengesteck in einem bronzenen Untertopf rundete alles ab. Auch das Porzellangeschirr sah Edel, als auch kostbar aus, mit seinen goldenen Verzierungen an den Rändern und dem Wappen der White Star Line in der Mitte. Glänzende Gläser und lupenreines Silberbesteck war um den sauberen Teller angereiht.
Vier Gänge wurden nacheinander für das Mahl gereicht, nur die feinsten, sowie besten Speisen waren für das Dinner des Captains gerade gut genug:
Als Vorspeise gab es etwas Leichtes: >>Pochierter Lachs mit Kräuter Schaumsoße.<<
Der erste Hauptgang war: >>Gebratenes Lendensteak mit Sauce Forestiere.<<
Der zweite Hauptgang beinhaltete: >>Gebratenes Täubchen auf Kresse.<<
Und das kalorienreiche Dessert bestand aus: >>Eclairs mit Schokoladen und Vanille creme.<<
Es schmeckte alles außerordentlich vorzüglich, zu jedem Gang wurde auch noch der richtige Wein dazu gereicht. Jasmin fand das sehr übertrieben und brachte es, vor allen Gästen zu Sprache.
Sie tupfte sich mit der weißen Stoffserviette, dem aufgestickten Emblem der White Star Line darauf den Mund ab und legte Sie ihn Ihren Schoß: >>Captain! Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber finden Sie es nicht ein wenig anmaßend ein so großes Dinner für uns aufzufahren, während andere im Schützengraben liegen und für England sterben? Wir sind hier schließlich nicht auf einer Kreuzfahrt!<<
Der ganze Raum wurde ruhig und schaute auf Jasmin, als auch auf Alfred Bartlett, der leicht beschämt auf seinen halb vollen Teller starrte. Der Captain wusste im ersten Moment nicht wirklich, was er dazu sagen sollte, aber irgendwie hatte Sie ja Recht damit.
Darauf hob er seinen Kopf und erwiderte: >>Miss Stroud! Das Dinner des Captains ist seit Jahren etwas ganz besonderes, egal auf welchem Schiff. Ich habe Sie alle eingeladen, weil ich weiß, dass es viel Kraft kostet seine Arbeit inmitten des Krieges normal zu verrichten, während Geliebte Menschen und Freunde an der Front, um Ihr Leben kämpfen. Dies hier sind spezielle Gerichte, die Sie gerade noch so genossen haben und von der Speisekarte der Titanic kopiert sind. Damit will ich mein Beileid zum Ausdruck bringen für die vielen Todesopfer jener Nacht. Ich wollte nur, dass Sie einen Augenblick nicht an die Grausamkeiten dort draußen denken müssen, sondern auch einmal die schönen Zeiten des Lebens betrachten und das Dinner mit mir hier, zu genießen. Aber Sie können gerne gehen, wenn Sie möchten.<<
Nun blickte auch die Agentin errötet auf den fast leeren Teller und wünschte sich verlegen, Sie hätte dieses Anliegen niemals angeschnitten. Zum Glück wechselte Dubois das Thema: >>Haben Sie schon gehört? Die Deutschen, benutzen jetzt auch schon Giftgas gegen unsere Truppen. Viele sterben dabei oder verlieren Ihr Augenlicht. Ist das zu glauben?<<
>>Davon habe ich auch schon gehört. Ihre Methoden werden immer aggressiver, anscheinend gehen Ihnen langsam die Ideen aus.<< ,meinte Fleming.
>>Auf was für Einfälle kommen die deutschen und Österreicher als Nächstes? Als ob das nicht schon gereicht hätte, uns mit Bomben bestückten Luftschiffen anzugreifen.<< ,warf Graham ein.
>>Es gab zwar einige Verletzte und Tote zu beklagen, dennoch haben wir alle Ihre Luftschiffe vom Himmel geholt.<< ,erwiderte Robert Hume.
>>Es wird langsam Zeit, dass der Herr dem Krieg ein Ende setzt! Wie lange wollen wir uns noch gegenseitig, die Köpfe einschlagen?<< ,meinte Pater Tramonti.
>>Bis eine der Seiten, aufgibt oder gewinnt.<< ,meldete sich der Offizier Laws zu Wort.
>>Schluss jetzt!<< ,schrie die Oberschwester über die plaudernde Menge hinweg: >>Hört jetzt bitte auf, über diesen schrecklichen Krieg zu sprechen. Wir haben noch lange genug damit zu tun!<<
Wieder herrschte Totenstille auf den Plätzen und man konnte sogar das Stampfen der Maschinen ganz leise hören. Trotzdem wurde es noch ein lustiger und angenehmer Abend, bis in die Nacht hinein, wurden alte Geschichten ausgetauscht, sowie sich, über viele Themen unterhalten.
Kurz vor Mitternacht ging der erste Gast, der junge und aufsteigende Offizier, Jacob Graham verließ den Tisch: >>Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden, aber ich bin sehr Müde. Ich würde gerne mein Quartier aufsuchen.<< ,teilte er allen mit.
>>Sie wollen schon gehen?<< ,fragte der Franzose leicht enttäuscht.
>>Ja leider. Ich habe Morgen die Frühschicht und möchte nicht verschlafen oder unkonzentriert auf der Brücke stehen.<< ,erwiderte er.
>>Schon gut Graham! Sie dürfen wegtreten! Eine gute Nacht wünsche ich Ihnen!<< ,antwortete Alfred.
>>Ihnen auch allen eine gute Nacht!<< ,fügte Jacob hinzu und verschwand aus der Tür. Jasmin verspürte plötzlich, einen tiefen Drang dem Offizier hinterher zu eilen, einfach nur um herauszufinden, ob er auch wirklich in seinem Quartier verschwand, um zu schlafen oder ob er nicht vielleicht etwas anderes vor hatte.
>>Sie entschuldigen mich bitte kurz!<< ,sagte Stroud und verließ anschließend ebenfalls das Zimmer. Wie erwartet, hatte Ihr Agenteninstinkt Sie nicht getrübt, Jacob Graham war nicht dem Korridor zu seiner Kabine gefolgt, stattdessen war er auf das Bootsdeck gegangen und kletterte die Leiter auf das Dach des Funkraumes hinauf. Dann versteckte er sich in Rettungsboot A unter dem Spanntuch, das dort befestigt war. Stroud versuchte unentdeckt zu bleiben und versteckte sich ebenfalls unten in eines der Rettungsboote. Soweit sich Jasmin erinnern konnte, musste es Boot C gewesen sein, in das Sie geschlüpft war. Mit großen Augen versuchte Sie das Geschehen zu verfolgen. Bedauerlicherweise, konnte die Agentin weder was hören, noch etwas sehen. Durch die Geräusche des Wassers und das laute Windgeheule, hörte man absolut nicht das geringste, während der kalte Nachtwind, die Augen zum Tränen brachte.

In Rettungsboot A lag ein Koffer mit einem Funkgerät und Kopfhörern unter einem Leinentuch verborgen, Jacob hatte es dort bei der Abfahrt platziert. Er wollte es eigentlich mit in sein Quartier nehmen, aber fand es sicherer, es hier an Ort und Stelle zu lassen. Er telegrafierte damit an die U-37:

>>Habe die Waffen im Frachtraum gefunden Stopp! Schiff muss am 16. November um 8:10 Uhr zerstört werden Stopp! Werde versuchen es zu verlangsamen Stopp!<<

Erst als der Mann langsam aus seinem Versteck gekrochen kam, hüpfte auch Jasmin schnell aus Ihrem Versteck hervor. Erschrocken von dem Lärm der Agentin, kam der Offizier flink die Leiter herunter. >>Mister Graham! Ich dachte, Sie wollten sich zur Ruhe begeben?<< ,fragte Sie freundlich. >>Ich…äähhh….wol..wollte noch etwas überprüfen, das Rettungsboot hier scheint, ein Loch zu haben.<< ,antwortete Jacob und zeigte darauf. >>Ein Loch? Wie bedauerlich. Ich hoffe, wir werden keines davon benötigen.<< ,meinte Stroud und konnte diese Lüge, meilenweit gegen den Wind riechen. >>Und was machen Sie zur so später Stunde hier draußen?<< ,fragte er nach. >>Ich wollte mir nur ein wenig die Beine vertreten, in dem Salon ist es unglaublich stickig geworden.<< ,erwiderte die Agentin. >>Nun gut! Ich werde jetzt besser schlafen gehen.<< ,äußerte er.

>>Ich begleite Sie ein Stück. Ich bin nämlich auch fürchterlich Müde.<< ,erwiderte Sie und hakte sich mit ihrem Arm bei ihm ein. Nachdem Jacob, sich an seiner Kabine von Jasmin verabschiedet hatte, konnte auch Sie zufrieden ins Bett gehen, weil sich dieser Offizier, gerade zum Hauptverdächtigen gemacht hatte.